29.07.2009
Den heute veröffentlichten Ergebnissen des Bank Lending Survey für den Euro-Raum zufolge haben die Banken die Standards ihrer Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte im zweiten Quartal weniger verschärft als im Vorquartal. Dies war auch schon im ersten Quartal der Fall, nachdem die Verschärfung der Kreditvergabestandards im Schlussquartal 2008 einen Höhepunkt erreicht hatte. Bei den Unternehmen war die weniger strikte Anpassung der Konditionen zuletzt besonders deutlich. Dies ist eine gute Nachricht, nachdem die Angebotsbedingungen nun bereits zum achten Mal in Folge strenger geworden sind. Auf eine Kreditklemme im Sinne einer angebotsseitigen Verknappung lässt sich daraus jedoch nicht schließen. Denn zugleich berichteten die Umfrageteilnehmer von einer weiter klar negativen Nachfrage nach Unternehmenskrediten (sowohl im Unterschied zur leicht positiven Nachfrage nach Wohungsbaukrediten im Euro-Raum als auch in Kontrast zur erneut gestiegenen Unternehmenskreditnachfrage in Deutschland). Angesichts u.a. wahrscheinlich weiter geringen Investitionsbedarfs und steigender Unternehmensinsolvenzen bzw. verschlechterter Bonitäten ist in nächster Zeit mit einer schwachen Kreditvergabe an Unternehmen zu rechnen. Die jüngsten Ergebnisse des Bank Lending Survey geben also alles in allem keinen Anlass für eine Änderung des derzeitigen geldpolitischen Kurses.
Von der EZB-Ratssitzung in der nächsten Woche sind keine großen Neuigkeiten zu erwarten. Präsident Trichet dürfte die teils geforderte Konkretisierung einer Exit-Strategie schuldig bleiben. Erstens würde dies der EZB-Tradition widersprechen, Maßnahmen i.d.R. erst dann zu kommunizieren, wenn sie tatsächlich unmittelbar ergriffen werden, u.a. um falsche Marktspekulationen/-reaktionen zu vermeiden. Zweitens ist unseres Erachtens das Aufzeigen einer konkreten Exit-Strategie nicht nötig. Um die Inflationserwartungen im Zaum zu halten, genügt es zu wissen, dass die EZB über ein ausreichendes Arsenal an Instrumenten verfügt, um überschüssige Liquidität wieder rechtzeitig zu entziehen: ergriffene Maßnahmen wie unbegrenzte Tenderzuteilung zum Leitzins oder großzügigere Anforderungen für die hinterlegten Sicherheiten wieder rückgängig machen, außerordentliche Refinanzierungsgeschäfte nicht erneuern, darüber hinaus sogar die Möglichkeit der Emission von EZB-Schuldverschreibungen oder der Hereinnahme verzinslicher Termineinlagen von den Banken. Wie genau die EZB vorgehen wird, sollte auch flexibel von den herrschenden Marktbedingungen abhängig gemacht werden können, wenn die Zeit für eine Normalisierung der Geldpolitik gekommen ist. Wir rechnen mit einer kräftigen EWU-Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr 2009 und halten es daher für denkbar, gegen Jahresende behutsam mit dem Abschöpfen von Liquidität zu beginnen. Leitzinserhöhungen sehen wir erst 2010 und auch nur in begrenztem Maße (um insgesamt 75 Basispunkte bis Ende nächsten Jahres), da die Konjunktur dann schon wieder an Dynamik verlieren dürfte.
Claudia Broyer
Tel.: 49 / 69 / 2 63 – 19790
e-mail: claudia.broyer@allianz.com
EZB: Exit-Strategie ist Zukunftsmusik
Der richtige Zeitpunkt zu kommunizieren, wie genau eine Normalisierung der EZB-Geldpolitik vonstatten gehen sollte und sie dann einzuleiten, ist längst noch nicht gekommen. Auch wenn die neuen Ergebnisse des Bank Lending Survey eine Entspannung andeuten, geben sie hinsichtlich der Kreditvergabe an den privaten Sektor keineswegs Entwarnung.
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