Economic Research & Corporate Development
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In Deutschland wird staatstragend ein immer steilerer Absturz der Wirtschaft in 2009 verkündet. Das Jahr sei wirtschaftlich gelaufen, man könne froh sein, wenn es sich 2010 wieder bessert und man müsse das den Unternehmen und den privaten Haushalten sagen, deren Krisenwahrnehmung noch immer nicht so stark ausgeprägt ist. Alle Prognostiker räumen ein, dass es zur Zeit große Unsicherheit bei allen Vorhersagen gebe, aber dieser Hinweis geht im politischen Diskurs unter. Deshalb sind zu den derzeitigen Prognosen einige Warnhinweise angebracht.

23.04.2009
Gerade zur Zeit gibt es eine ansehnliche Menge von Daten aus der Weltwirtschaft und aus Deutschland, die eine Bodenbildung signalisieren. Selbst bei der gebeutelten Maschinenbaubranche in Hannover war davon die Rede und auch Ben Bernanke hat für die USA diesen Hinweis gegeben. Es könnte also sein, dass die Prognosen, die keine wesentliche Belebung bis Mitte 2010 sehen, sehr stark „hinter der Kurve“ liegen. Ähnliches haben wir schon einmal Anfang 2008 erlebt, als der Optimismus einiger Prognostiker kaum zu bremsen war..
Gründe für einen positiven Rückschlageffekt der Konjunktur gibt es viele. So ist die aktuelle Entwicklung unbestreitbar von einer starken Verunsicherung der Akteure über die Zukunft und von zyklischen Elementen geprägt. Das bedeutet, dass nach einem derart steilen Absturz wie wir ihn im vierten und im ersten Quartal erlebt haben, auch ein heftiges Hochschnellen der Konjunktur erwartet werden kann. Ökonomisch wäre das durchaus gerechtfertigt, denn die Produktion ist weitaus stärker eingebrochen, als es die gesamtwirtschaftliche Nachfrage mittelfristig tun wird.
Es mag sein, dass die Konsumnachfrage in diesem Jahr weltweit leicht im Minus liegt, aber eben nicht um 30% oder 40% wie es beispielweise die Hersteller von Automobilen in ihren Auftragseingängen beobachtet haben. Hierfür spricht auch, dass die kombinierte Wirkung aggressiver Zinssenkungen, massiver Konjunkturprogramme und eines kaufkraftsteigernden Rohstoffpreisverfalls auf die Nachfrage erkennbar werden. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen hellen sich seit Jahresbeginn allmählich wieder auf und der private Konsum fällt trotz steigender Arbeitslosigkeit nicht ins Bodenlose.
Die hohen Minuszahlen, die allenthalben für Deutschland publiziert werden, hängen entscheidend von der statistischen Ausgangsbasis zu Beginn des Jahres, also dem ersten Quartal 2009 ab. Eine Minus 6 bedeutet nicht, dass die Wirtschaft 2009 noch viel weiter abrutscht, auch wenn das in der Öffentlichkeit so diskutiert wird. Den stärksten Rückgang haben wir auch in der Institutsprognose schon hinter uns. Die Institute prognostizieren eben keinen weiteren Rückgang im zweiten Halbjahr. Das muss dazu gesagt werden.
Kritisch ist die Prognose der Arbeitslosigkeit. Die Institute erwarten eine Arbeitslosigkeit von knapp 5 Millionen Ende 2010, was man sich ohne größere politische Unruhen kaum vorstellen kann. Wäre das die Wahrheit, dürfte man sie nicht verschweigen. Aber es ist eine Aussage, die auf vielen Annahmen beruht und in der jetzigen Situation massiver Unsicherheit auf einem wackeligen Fundament steht. Sie würde es eigentlich nahelegen, weitere massive Konjunkturprogramme aufzulegen. Zu einer solchen Politik mit sehr langfristigen Nachwirkungen sollte sich die Politik nicht verleiten lassen, wo die bisherigen Programme gerade zu wirken beginnen. Dazu ist die Voraussicht nicht gegeben. Gerade in einer Zeit, in der sich wichtige Indikatoren stabilisieren.
Dr. Michael Heise

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