USA: Fed drückt noch stärker auf das Gaspedal
Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der Fed haben deutliche Reaktionen bei den Staatsanleihen und auf dem Devisenmarkt nach sich gezogen. Jedoch ist weder mit einer beschleunigten US-Dollar-Schwäche zu rechnen, noch werden die Renditen langfristiger Staatsanleihen dauerhaft auf sehr niedrigem Niveau bleiben.
Mit der Ausweitung der Käufe hypothekenbesicherter Wertpapiere sowie der Ankündigung, längerfristige Staatsanleihen im Volumen von 300 Mrd. USD zu übernehmen, hat die US-Notenbank das Ausmaß ihrer unkonventionellen Maßnahmen erheblich verstärkt. Dies sollte insbesondere einen klaren Beitrag zur Stabilisierung des Wohnimmobilienmarktes liefern. Denn die Kombination der Maßnahmen deutet darauf hin, dass die US-Notenbank auf eine weitere Reduktion der Hypothekenzinsen abzielt. Für konventionelle Hypothekenkredite mit einer Laufzeit von 30 Jahren sind diese seit Oktober letzten Jahres bereits um 150 Basispunkte auf rund 5% gefallen. Gängige Maße für die Erschwinglichkeit von Häusern haben sich damit signifikant erhöht.
Auf den ersten Blick sollten die Fed-Aktionen den US-Dollar zwar massiv schwächen. Wenn es aber – wovon wir ausgehen – auch mit diesen Maßnahmen gelingt, die US-Konjunktur wieder in Gang zu setzen, wird dies dem Dollar in den kommenden Monaten Rückhalt geben. Insofern sehen wir keinen Bedarf für eine Änderung unserer Wechelkursprognose von 1,35 USD/EUR zum Jahresende 2009.
Die Rendite 10jähriger Staatsanleihen wird nur vorübergehend gedrückt. Im Zuge der erwarteten konjunkturellen Belebung und der Flut an Staatsanleihen rechnen wir mit einem Wiederanstieg auf ein Niveau von etwa 3 ¼% am Jahresende, der sich in 2010 fortsetzt. Von der Fed-Maßnahme sind keine langfristigen Dämpfungswirkungen auf die Renditen zu erwarten, denn auch Bondpreise sind Bestandshaltepreise, die sich unabhängig von den flows rasch ändern können. Zu einem Zinsanstieg wird auch die wieder erhöhte Aufmerksamkeit für das Thema Inflation beitragen. Die aggressive Geldpolitik ist selbstverständlich nicht ohne längerfristige Inflationsrisiken. Die Maßnahmen der Fed bestärken uns in der Auffassung, dass wir nicht in Richtung eines Japan-Szenarios gehen, sondern mit einem Wiederanstieg der Inflationsraten rechnen müssen. Wie stark dieser Inflationsanstieg ausfällt, hängt davon ab, wie konsequent die Notenbanken den expansiven Impuls bei einer Normalisierung der Lage wieder zurücknehmen. Wir rechnen damit, dass dies geschieht, denn mit einer sich beschleunigenden Inflation (und dann massiv steigenden Zinsen) wäre keinem gedient. Es sollte nicht übersehen werden, dass bereits Planungen im Gange sind, die der Fed zukünftig eine flexible Steuerung ihrer Bilanz erlauben. Entsprechende Hinweise finden sich etwa in der gemeinsamen Stellungnahme u.a. des Finanzministeriums, der Fed und der Einlagensicherung (FDIC) zum Financial Stability Plan vom 10. Februar 2009. Das erweiterte Instrumentarium könnte zum Beispiel die Ausgabe eigener Schuldtitel der Notenbank beinhalten. Solche Änderungen könnten die Fed in die Lage versetzen, trotz stark ausgeweiteter Notenbankbilanz mit Zinserhöhungen zu beginnen. Alles in allem sind die Fed-Entscheidungen angesichts der derzeit sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage gerechtfertigt. Zusammen mit den bereits auf den Weg gebrachten zahlreichen anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen dürften sie eine konjunkturelle Erholung in der zweiten Jahreshälfte bewirken, die auch einen wichtigen Anstoßeffekt für die Erholung der Weltwirtschaft liefert.
Michael Heise
e-mail: michael.heise@allianz.com
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