Die Wachstumsaussichten der kanadischen Wirtschaft haben sich in den letztenMonaten merklich eingetrübt. So führt die sich im Oktober weiter zuspitzendeFinanzmarktkrise zu einer deutlichen Verschärfung der Kreditkonditionen, was inden nächsten Monaten zunehmend den privaten Wohnungsbau- und gewerblicheInvestitionen behindern wird. Der
Kanada: Bruttoinlandsprodukt sinkt im zweiten Quartal
Die kanadische Wirtschaft wird derzeit von drei Entwicklungen maßgeblich beeinflusst: Die anhaltende Schwäche der US-Wirtschaft, die noch nicht ausgestandene Finanzmarktkrise und der zuletzt deutliche Anstieg der Verbraucherpreise.
Die anhaltende Krise an den Finanzmärkten und die trüben Konjunkturaussichten für die US-Wirtschaft haben die Bank of Canada (BoC) dazu veranlasst, in der zweiten Aprilhälfte die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 3 % zu senken. Dies war die dritte Leitzinssenkung in diesem Jahr und die zweite in dieser Höhe in Folge. Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr noch weitere Zinssenkungsschritte seitens der BoC folgen werden.
Auch die kanadische Konjunktur bleibt von den weltwirtschaftlichen Turbulenzen nicht unberührt. Vor allem die sich immer deutlicher abzeichnende konjunkturelle Abkühlung in den USA bremst aufgrund der starken Handelsverflechtung beider Länder den wirtschaftlichen Aufwärtstrend Kanadas in diesem Jahr.
Die Bank of Canada (BoC) hat im Dezember mit dem Verweis auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten ihren Leitzins (overnight rate target) um 25 Basispunkte auf 4,25 % gesenkt. Sie korrigierte damit ihren überraschenden Zinsschritt im Juli dieses Jahres, den die Bank seinerzeit mit unerwarteten konjunkturellen Überhitzungsanzeichen begründete.
Mitte Juli entschloss sich die kanadische Zentralbank zu einer Straffung der Geldpolitik und überraschte mit einer Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,5 %.
Die kanadische Wirtschaft schloss 2006 mit einem insgesamt abgeschwächten Ergebnis. Noch im ersten Quartal bei kräftigen 3,8 %, fiel das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal auf 1,4 % zurück.
Nach einem positiven Jahresauftakt hat die konjunkturelle Entwicklung in Kanada und Australien im zweiten Vierteljahr enttäuscht. Die geldpolitischen Konsequenzen dürften aber unterschiedlich sein.
Die Bank of Canada und die Reserve Bank of Australia haben im Mai die Leitzinsen weiter angehoben. Derweil blieb es in Neuseeland unverändert bei dem restriktiven geldpolitischen Kurs.
In Kanada, Australien und Neuseeland zeichnen sich für das laufende
Jahr unterschiedliche Grundtendenzen in der wirtschaftlichen
Entwicklung ab. Dabei stehen der neuseeländischen Wirtschaft
schwere Zeiten bevor.
Die Bank of Canada und die Reserve Bank of New Zealand haben im Oktober mit einer weiteren Zinsstraffung auf erhöhte Preisrisiken reagiert, zumal die aktuellen Inflationsraten energiepreisbedingt bereits über der Obergrenze des jeweils zu beachtenden Zielkorridors von 3 % liegen.
In Kanada, Australien und Neuseeland waren zuletzt unterschiedliche Grundtendenzen in der Binnennachfrage auszumachen. Die absehbare Abschwächung in Neuseeland könnte eine beschleunigte Abwertung der Währung nach sich ziehen.
In den zinspolitischen Entscheidungen der Notenbanken des so genannten Dollar-Raums war seit Anfang 2004 kein Gleichlauf zu beobachten. Auch im laufenden Jahr sind unterschiedliche Rahmenbedingungen zu beachten. Insgesamt erscheint das Potenzial für deutliche Leitzinsstraffungen begrenzt.
Die wirtschaftliche Entwicklung steht in diesem Jahr unter dem Einfluss klar verbesserter terms of trade. Mit der zu erwartenden langsameren Gangart der Weltwirtschaft könnten diese Impulse aber auslaufen. Umso mehr können die mittelbaren wachstumsdämpfenden Effekte zum Tragen kommen.