Europäische Finanzmarktintegration: Weitere grenzüberschreitende Schritte bei der europäischen Bankenkonsolidierung
Der europäische Einigungsprozess musste in diesem Jahr große politische Rückschläge hinnehmen. In den nächsten Jahren dürfte die weitere Integration der Finanz- und Bankenmärkte weniger von der Politik als von den Marktkräften selber bestimmt werden.
Die geringsten Fortschritte bei der Integration des europäischen Finanzmarktes verzeichneten bisher zweifelsohne die Retailmärkte. Sie sollten deshalb in den Mittelpunkt der weiteren Bemühungen gestellt werden, fordern die Volkswirte von Allianz Group und Dresdner Bank in einer neuen Studie zur europäischen Finanzmarktintegration.
Mittlerweile ist die nationale Konsolidierung der Bankenmärkte in der Mehrzahl der europäischen Länder abgeschlossen. Die logische Fortsetzung ist die Verlagerung der Aktivitäten auf die europäische Bühne. Dabei eröffnet der zunehmende Anteil der Fixkosten am Bankgeschäft neue Möglichkeiten für Economies of scale, die unabhängig von nationalen Marktbesonderheiten realisiert werden können. Der europäische Bankenmarkt muss auch gegen die amerikanischen Mega-Banken gewappnet sein, ansonsten droht eine Wiederholung der Entwicklung im Investmentbanking auch beim Retailbanking.
Die europäische Finanzmarktintegration hat aber durchaus auch Erfolge aufzuweisen. So wurde mit der Einführung des Euro die Liquidität der Bondmärkte mit einem Schlag deutlich vergrößert. "Die Konvergenz der Renditen für Staatspapiere ist ein sicheres Indiz für die zunehmende Integration", heißt es in der Studie. Im internationalen Schuldtitelmarkt sind derzeit etwa 47 % aller Schuldtitel in Euro denominiert. Dies ist ein Anstieg um 20 Prozentpunkte seit Beginn der Währungsunion. Auch als Reservewährung kann sich der Euro sehen lassen: Knapp 20 % aller Währungsreserven weltweit wurden Ende 2003 bereits in Euro gehalten, gegenüber dem Jahr 2000 ein Anstieg um etwa 3 ½ Prozentpunkte. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen.
Download
Download PDF (296 kb)