Biomasse - Renaissance einer Energiequelle
Bei der Nutzung erneuerbarer Energiequellen kommt neben der Windkraft und der Solar-energie vor allem die Biomasse wieder verstärkt zum Einsatz, denn die Möglich-keiten ihrer energetischen Nutzung sind besonders vielfältig: Biomasse eignet sich nicht nur zur Erzeugung von Strom und Wärme, sondern auch zur Gewinnung von biogenen Kraftstoffen, die herkömmliche fossile Treibstoffe ersetzen können. Im Jahr 2005 stammten gut 67½ % der aus erneuerbaren Energien bereitgestellten Endenergie aus Biomasse.
Das derzeit in Deutschland nutzbare Potenzial an Biomasse besteht zum weitaus größten Teil aus Holz (156 Mrd. Kilowattstunden pro Jahr), gefolgt von halmgutartigen Stoffen (8 bis 53 Mrd.), sonstigen Rückständen (40 Mrd.) und Energiepflanzen (24 bis 28 Mrd.). Unter den verschiedenen Formen der Umwandlung und Nutzung von Biomasse ist die Erzeugung von Strom und Wärme am kostengünstigsten. Über 90 % der festen Biomasse werden heute in Anlagen zur Wärmegewinnung genutzt. Dabei wurden vor allem im Haushaltssektor in den letzten Jahren entsprechende Feuerungsanlagen und Brennstoffe entwickelt, die eine umwelt- und bedienungsfreundliche Nutzung insbesondere im kleinen Leistungsbereich ermöglichen. Dies gilt vor allem für Pelletfeuerungen, die in den letzten Jahren in Deutschland exponentiell zugenommen haben. Am effizientesten ist die Nutzung von Biomasse in Anlagen, die Strom und Wärme gemeinsam erzeugen. Die Kraft-Wärme-Kopplung spielt deshalb eine entscheidende Rolle beim weiteren Ausbau der Nutzung von Bioenergie.
Eine Schlüsselposition bei der künftigen Nutzung von Bioenergie fällt auch den Umwandlungsverfahren von Biomasse in gasförmige Energieträger zu. Dazu zählt die anaerobe Vergärung (Fermentation), die bereits Stand der Technik ist, aber auch die Vergasung von Festbrenn-stoffen (Holz), die allerdings noch großen Entwicklungs-bedarf hat. Gegenwärtig wird Biogas vor allem in der Stromproduktion eingesetzt, die Potenziale im Wärme- und Kraftstoffsektor sind bisher kaum erschlossen. Hier eröffnen sich in Zukunft neue Perspektiven. Denn grundsätzlich lässt sich entschwefeltes und gereinigtes Biogas ähnlich vielseitig nutzen wie Erdgas. Schätzungen zufolge könnte Biogas in Deutschland bis zum Jahr 2030 über 10 % des Erdgasabsatzes ersetzen.
Im Vergleich zur Nutzung von Biomasse für die Erzeugung von Strom und Wärme ist die derzeitige Produktion von Biokraftstoffen in Deutschland aufwendig und teuer. Hinzu kommt, dass es sich bei Biodiesel und Bioethanol um homogene leicht zu transportierende Produkte handelt, die auf der Südhalbkugel wesentlich kostengünstiger hergestellt werden können als hierzulande. Noch besteht ein Schutz der heimischen Erzeugung durch Zölle und/oder technische Vorgaben, mit denen importierte Rohstoffe und Kraftstoffe benachteiligt werden. Zu bedenken ist allerdings, dass dieser Schutz im Zuge einer weiteren Liberalisierung des globalen Agrarhandels wahrscheinlich schrittweise aufgeweicht und langfristig vollständig aufgehoben werden wird. Dies wird einen entsprechenden Preisdruck auf die deutschen Energierohstoffe (und auf die Biokraftstoffe) ausüben und Importe (von Biokraftstoffen) begünstigen. Gleichzeitig würde der Absatz aus heimischer Produktion schrumpfen. Vor diesem Hintergrund sehen wir im Bereich von Biodiesel und Bioethanol die Gefahr des Aufbaus von Überkapazitäten. Zusätzliches Potenzial für den effizienteren Einsatz von Biokraftstoffen besteht jedoch längerfristig durch die Einführung neuer Technologien (Ethanol aus Lignozellulose, Biomass-to-Liquids, Biogas), die auf einer wesentlich breiteren Rohstoffbasis beruhen und die gesamte Pflanze sowie Rest- und Abfallstoffe verwerten können.
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