Die Chip-Industrie unter Dauerspannung – innovatives Wachstum ohne Grenzen?
Seit 1960 ist der Weltmarkt für elektronische Bauelemente getragen von einem rasanten technischen Fortschritt im Schnitt um deutlich über 10 % pro Jahr gewachsen. Zusammen mit der gestiegenen Leistungsfähigkeit der elektronischen Datenverarbeitung und der Telekommunikationsdienste erhöhte sich dabei auch die Anwendungsvielfalt.
Inzwischen ist die Mikrosystemtechnik aus nahezu allen Lebensbereichen nicht mehr wegzudenken, so dass sie sich zu einer Schlüsselindustrie für alle hochentwickelten Länder entwickelt hat. Dadurch sind die Rahmenbedingungen für den Markt elektronischer Bauelemente nach wie vor sehr günstig: Auch zukünftig sehen wir das langfristige Umsatzwachstum nominal bei jährlich gut 10 %. Das gilt insbesondere für die wichtigste Produktsparte – die Halbleiter. Am aktuellen Rand erweisen sich die Konjunkturperspektiven für die Anbieter elektronischer Bauelemente ebenfalls als ausgesprochen positiv; denn der weltweite Umsatz wird 2007 weiter kräftig zulegen. Überproportionale Wachstumschancen bietet unter den außereuropäischen Wachstumsmärkten neben Indien vor allem China. Inzwischen entfällt knapp die Hälfte des globalen Marktvolumens auf Südostasien.
Allerdings stößt die Halbleiterindustrie immer mehr an ihre Grenzen. In technischer Hinsicht, weil trotz kontinuierlicher Fortschritte in der Nanotechnologie die stetige Verkleinerung der verwendeten Bauteile unter anderem durch Probleme bei Ätzung, Belichtung und Wärmeentwicklung verhindert wird. In finanzieller Hinsicht, weil die rasant angewachsenen Entwicklungs- und Produktionskosten sich nur noch von einigen wenigen kapitalstarken Großkonzernen schultern lassen.
Aufgrund dieses hohen Aufwands sowie ausgeprägter Skaleneffekte liegt besonders in der Halbleiterindustrie ein weit überdurchschnittlicher Konzentrationsgrad vor. Hohe Fixkosten in Form umfangreicher Sachinvestitionen – der Investitionsbedarf bei neuenChipfabriken beläuft sich derzeit auf wenigstens 1 bis 2 Mrd. USD – sowie der Wissensvorsprung der etablierten Anbieter sorgen für weitgehend abgeschottete Märkte. Hier besitzen junge Pionierunternehmen ohne massive staatliche Unterstützung so gut wie keine Überlebenschance. Deutsche Anbieter haben sich bis auf wenige Ausnahmen verstärkt auf Nischensegmente zurückgezogen und gehören damit – insbesondere bei den Halbleitern – nicht mehr zu den Marktführern auf den Weltmärkten.
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