Führt eine Entflechtung der Energiekonzerne zu mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt?
In einer Studie mit dem Titel „Führt eine Entflechtung der Energiekonzerne zu mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt?“ setzen sich die Volkswirte von Allianz Dresdner Economic Research mit den Vorschlägen der EU-Kommission zur Abspaltung der Übertragungsnetze von den Energiekonzernen auseinander. Es ist nicht ratsam, diese Vorschläge zum jetzigen Zeitpunkt umzusetzen, lautet das Fazit.
Den Netzbetrieb aus der Einflusssphäre von Interessen aus vor- und nachgelagerten Marktstufen herauszulösen, erscheint aus wettbewerbsökonomischer Sicht zwar konsequent und logisch, stößt bei der praktischen Umsetzung allerdings auf erhebliche Probleme. So befürchten die Volkswirte, dass die von der EU-Kommission favorisierte Variante der eigentumsrechtlichen Entflechtung der Energiekonzerne (Ownership Unbundling) aufgrund der verfassungsrechtlich problematischen Eigentumsübertragung vermutlich jahrelange Rechtsstreitigkeiten zur Folge hätte – mit kontraproduktiven Auswirkungen für den Wettbewerb.
Auch die von der EU-Kommission vorgeschlagene Alternative, die Bewirtschaftung der Leitungsnetze auf einen Independent System Operator (ISO) zu übertragen, sehen die Volkswirte von Allianz Dresdner Economic Research kritisch. Das ISO-Modell umgeht zwar das Problem der Eigentumstrennung und wäre daher viel schneller umsetzbar als das Ownership Unbundling. Allerdings wirft dieses Modell neue Probleme auf. Als kritischer Punkt erweist sich vor allem die Frage, wer über Netzinvestitionen entscheidet.
Alles in allem kommen die Volkswirte von Allianz Dresdner Economic Research zu dem Urteil, dass die Entflechtung von Energiekonzernen als Möglichkeit zur Steigerung des Wettbewerbs auf dem Strommarkt überschätzt wird. Die Wettbewerbspolitik sollte daher ihre Bemühungen in erster Linie darauf konzentrieren, der bestehenden Machtkonzentration auf dem Energiemarkt entgegenzuwirken.
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