Ambitionierter Klimaschutz - ein Modernisierungsprogramm für die Wirtschaft
In ökonomischer Hinsicht bedeutet ambitionierter Klimaschutz eine der größten Umstrukturierungen, welche die Weltwirtschaft bisher erlebt hat. Neue Werkstoffe, bessere Technologien, optimierte Produktions-verfahren und intelligente Produkte müssen dazu beitragen, globale Umweltprobleme zu lösen und die Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Auch ohne das Klimaproblem wäre dieser Modernisierungs-schub wirtschaftlich sinnvoll. Der Klimawandel ist somit der Motor für eine wirtschaftlichen Erneuerung, die ohnehin in Angriff zu nehmen wäre.
Einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten innovative Technologien, welche die Einsparung und die effizientere Nutzung von natürlichen Ressourcen ermöglichen. Eine Schlüsselrolle dabei spielt die effizientere Nutzung von Energieträgern. Gefragt sind Technologien, die nicht nur die Verluste bei der Energieumwandlung minimieren (Kraftwerke mit höherem Wirkungsgrad), sondern auch die dabei verursachten Emissionen. Die Kraftwerkstechnik auf Basis fossiler Energieträger bietet hierfür enormes Potenzial. Auch die Entwicklung von Energietechnologien zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen, die überhaupt keine Treibhausgase verursachen, ist ein zentraler Baustein zum Schutz des Klimas. Da jedoch in den nächsten Jahrzehnten die fossilen Energieträger in vielen Ländern die dominierende Energiequelle bleiben werden, ist auch die geologische Kohlenstoffspeicherung eine vorübergehend nutzbare Option zum Schutz des Klimas, um bei der ursächlichen Vermeidung von Emissionen Zeit zu gewinnen. Eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen nicht zuletzt die Entscheidungen der Konsumenten, Verbrauchsgewohnheiten zu verändern und Produkte anders zu nutzen als bisher. Entscheidende Ansatzpunkte hierfür liegen im Stromverbrauch, bei der Erzeugung von Wärme und im Verkehrs-sektor.
Darüber hinaus ist Klimaschutz auch Aufgabe der Umweltpolitik. Die Einführung des Emissionshandels in Europa ist ein wichtiger Schritt, um dem Klimawandel erfolgreich entgegenzuwirken. Allerdings sollten künftig weltweit erheblich strengere Ziele der Emissionsminderung als bisher festgelegt werden. Zudem sind möglichst viele Länder und Sektoren sowie alle Treibhausgase in den Emissionshandel einzubeziehen. Innovationen hervorrufen kann der Emissionshandel letztlich nur dann, wenn künftig die Emissionsrechte nicht mehr verschenkt, sondern versteigert werden.
Über die Umweltpolitik hinaus muss der Staat durch ein vielfältiges wirtschaftspolitisches Maßnahmenbündel dazu beitragen, die ökologische Modernisierung der Wirtschaft in Gang zu setzen. Im Zuge dieses ökologisch getriebenen Strukturwandels kristallisieren sich zentrale Märkte mit hoher Wachstumsdynamik heraus, insbesondere die Märkte für Energietechnologien, nachhaltige Mobilität und Verkehrstechnologien, Effizienz- , Recycling- sowie Abwassertechnologien und Wasserversor-gung. In der Umwelttechnik geht es vor allem um die problemadäquate Anwendung von FuE-Ergebnissen, um die optimale, meist interdiszi-plinäre Kombination von Technologien und um die konsequente Umsetzung von technischem Wissen in anwendungsorientierte Umweltschutzlösungen. Gerade diese Art von „Systemkompetenz“ gilt als eine besondere Stärke Deutschlands. Im Hinblick auf die absehbaren ökologischen Erfordernisse, die sehr guten Wachstumsaussichten der „Umweltmärkte“ und die erkennbaren technologischen Entwicklungen kommt der Umwelttechnik als interdisziplinäre Querschnittsaufgabe eine Schlüsselposition für die wirtschaftliche Entwicklung zu.
Download
Download PDF (260 kb)