Die langfristigen Auswirkungen des Klimaschutzes auf die deutsche Wirtschaftsstruktur
Die weltweit notwendige drastische Reduzierung der CO2-Emissionen bedeutet für die Industriegesellschaften einen tiefgreifenden Umbau. Wir stehen am Beginn einer „dritten industriellen Revolution“, einer umweltgetriebenen Phase des Wandels, in dessen Zentrum die Energie- und Ressourceneffizienz steht. Diese wirtschaftliche Erneuerung wird nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur in Deutschland bleiben. Anhand eines Indikatorenmodells haben die Volkswirte von Allianz Dresdner untersucht, welche Branchen zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern eines verstärkten Klimaschutzes zählen. Darüber hinaus erfolgte erstmals eine vollständige Berücksichtigung aller Wirtschaftszweige. Damit eröffnet sich ein umfänglicher Blick auf die Konsequenzen des verstärkten Klimaschutzes für die gesamte deutsche Wirtschaft.
Die weltweit notwendige drastische Reduzierung der CO2-Emissionen bedeutet für die Industriegesellschaften einen tiefgreifenden Umbau. Wir stehen am Beginn einer „dritten industriellen Revolution“, einer umweltgetriebenen Phase des Wandels, in dessen Zentrum die Energie- und Ressourceneffizienz steht. Diese wirtschaftliche Erneuerung wird nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur in Deutschland bleiben. Anhand eines Indikatorenmodells haben die Volkswirte von Allianz Dresdner untersucht, welche Branchen zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern eines verstärkten Klimaschutzes zählen. Darüber hinaus erfolgte erstmals eine vollständige Berücksichtigung aller Wirtschaftszweige. Damit eröffnet sich ein umfänglicher Blick auf die Konsequenzen des verstärkten Klimaschutzes für die gesamte deutsche Wirtschaft.
Besonders überraschend ist dabei, dass sich bei den Branchen Fahrzeugbau und Verkehr keine spürbaren Wachstumsverluste ergeben. Immerhin ist die Mobilität doch einer der Hauptverursacher der CO2-Belastung. Die großen Veränderungen vollziehen sich hier unterhalb der Branchenebene. So verliert die individuelle Mobilität (Autofahren) deutlich Anteile zugunsten öffentlicher Verkehrsträger. Im Fahrzeugbau schließlich büßen die Autohersteller zwar Wertschöpfungsanteile ein, in gleichem Maße gewinnen aber die Zulieferindustrie und die Hersteller von Bahntechnik.
Innerhalb der Wirtschaftszweige ergeben sich auch in vielen anderen Fällen bereits bis 2020 zum Teil gravierende Veränderungen. So lassen sich bei einer tieferen Branchengliederung eindeutige Gewinner und Verlierer herausfiltern. Nutznießer dieser Veränderungsprozesse ist vor allem die Industrie. Sie hat in der Vergangenheit ein hohes Maß von Anpassungsfähigkeit an verschärfte Anforderungen – wie den Zwang zur Einsparung von Energie und zur Reduktion von Treibhausgasen – sowie eine hohe Innovationskraft bewiesen. Auch die starke internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird ihr die erforderlichen Anpassungsleistungen im Klimaszenario zukünftig erleichtern. Darüber hinaus entfallen mehr als zwei Drittel der Umweltschutzgüter auf Waren, womit wichtige Bereiche der Industrie unmittelbar vom Klimaschutz profitieren. Ein verstärkter Klimaschutz wird das gesamtwirtschaftliche Gewicht des industriellen Sektors am Standort Deutschland im Prognosezeitraum entgegen vielfach geäußerten Befürchtungen eher leicht erhöhen als reduzieren. Der langjährige Trend zur „Deindustrialisierung“, der bereits in den letzten beiden Jahren hierzulande durchbrochen worden war, könnte damit dauerhaft gestoppt sein.
Das der Untersuchung zugrunde liegende Indikatorenmodell gliedert sich in zwei Gruppen: Die erste Gruppe von Indikatoren soll den Anpassungsdruck ermitteln, dem einzelne Branchen durch die von ihnen verursachte Umweltbelastung unterliegen. Im Fokus standen dabei die Emission von Treibhausgasen, die Energieintensität und der Wasserverbrauch der jeweiligen Branche. Als Ergänzung zu den drei Indikatoren wurden weitere umweltrelevante Kriterien berücksichtigt, für die zwar keine quantitativen Daten vorlagen, die aber dennoch wichtig für die Einschätzung der Umweltbetroffenheit einer Branche sind. Die zweite Gruppe von Indikatoren bewertet das Wachstumspotenzial. Hier lautet die Frage: Inwieweit ist ein Wirtschaftszweig grundsätzlich in der Lage, auf exogene Veränderungen – wie durch den Klimaschutz erzwungen – zu reagieren? Hierbei haben die Volkswirte der Allianz Dresdner unterstellt, dass dies einer Branche umso besser gelingt, je stärker ihre internationale Wettbewerbsposition ausfällt, je größer ihre Innovationsfähigkeit ist und je mehr sie bereits in der Vergangenheit Treibhausgasemissionen reduziert sowie Energie eingespart hat. Anpassungsdruck und Wachstumspotenzial ergeben die Gesamtbewertung eines Wirtschaftszweiges. Diese Klimaszenario-Gesamtbewertung wird dann in Bezug zum Basisszenario gesetzt, um Gewinner und Verlierer zu ermitteln.
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