Die deutsche Medizintechnik - eine kerngesunde Wachstumsbranche?
Die Zuwachsraten sind erstaunlich: In den letzten zehn Jahren wuchs das weltweite Marktvolumen für Medizintechnik um schätzungsweise knapp 10 % pro Jahr und erreichte damit weit überdurchschnittliche Steigerungsraten. Trotz vielfältiger staatlicher Regulierungen überall auf der Welt liegt eine so hohe Innovationsdynamik vor, wie sie von kaum einer anderen Branche erreicht wird. Auch für die Zukunft sind die Rahmenbedingungen günstig, weil die Weltbevölkerung beständig wächst, in den Schwellen- und Entwicklungsländern der Wohlstand zunimmt und in den Industrieländern ein kontinuierlicher Alterungsprozess der Bevölkerung festzustellen ist.
Zusammen mit einem im Mittel gestiegenen Gesundheitsbewusstsein und einer erhöhten Ausgabenbereitschaft für medizinische Leistungen wird die Nachfrage nach Medizintechnik dadurch weiter gestärkt. Den Weltmarkt für Medizintechnik dominieren bislang die USA mit einem Umsatzanteil von 43 %. Bei den Anteilen an den weltweiten Exporten fällt die Vormachtsstellung der USA dagegen weitaus geringer aus, da sich die großen US-amerikanischen Unternehmen bisher vorwiegend auf ihrem Heimatmarkt engagieren. Eine in Relation zum Heimatmarkt ausgesprochen starke Wettbewerbsstellung weist im Gegensatz dazu vor allem Deutschland auf. Die enge Verzahnung mit ebenfalls stark exportorientierten Branchen wie der Elektrotechnik oder dem Maschinenbau führt fortwährend zu technologischen Innovationen, die neue Einsatzfelder erschließen und der Branchenentwicklung zusätzliche Impulse verleihen. Die medizintechnischen Unternehmen hierzulande werden aufgrund ihrer starken Wettbewerbsstellung auch in Zukunft unmittelbar von der Umsatzdynamik auf den Weltmärkten profitieren können. Langfristig dürfte das boomende Exportgeschäft zu jährlichen Zuwachsraten von durchschnittlich mehr als 5 % führen.
Im Inlandsgeschäft dagegen kann mit kaum mehr als stagnierenden Umsatzzahlen gerechnet werden. Das liegt hauptsächlich an der chronischen Finanzknappheit der öffentlichen Hand als Klinikträger sowie den Sparzwängen der gesetzlichen Krankenkassen. Die Folge hiervon ist eine ausgesprochen träge Investitionstätigkeit, die hierzulande über viele Jahre hinweg zu einem erheblichen Investitionsstau geführt hat. Allerdings haben sich die deutschen Unternehmen den Gegebenheiten entsprechend angepasst: Sie erwirtschaften derzeit nur noch gut ein Drittel ihrer medizintechnischen Erlöse im Inland.
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