Economic Research & Corporate Development
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Selten haben in einem Jahr die negativen Einflüsse auf die Reisenachfrage so überwogen wie 2003. Das anhaltend schwache Konsumklima in Deutschland, unverminderte Sparanstrengungen bei den Geschäftsreisenden, der Irak-Krieg, Terrorangst, die Lungenkrankheit SARS, die neue Sommerferienregelung in Deutschland und nicht zuletzt das schöne heimische Sommerwetter haben die Ausgaben der Deutschen für Auslandsreisen stark beeinträchtigt. Insgesamt dürften diese 2003 nach unserer Schätzung um etwa 5,5 % auf rund 52,5 Mrd. EUR zurückgegangen sein.

23.01.2004
Die schlechte konjunkturelle Entwicklung in Deutschland war mit der wichtigste Grund für die Zurückhaltung bei den Reiseausgaben. Neben der Konjunktur belastete aber auch die Kriegs- und Terrorangst die Reisenachfrage 2003 empfindlich. Nachdrücklicher als ursprünglich erwartet haben sich die Terroranschläge in den USA vom September 2001 und die darauf folgenden geopolitischen Krisen auf das Reiseverhalten der Deutschen ausgewirkt.
Wirtschaftliche Flaute und geopolitische Risiken trafen insbesondere das Segment der organisierten Flugreisen, das ja schon im Jahr zuvor starke Umsatzrückgänge hinnehmen musste. Insgesamt dürften die Umsätze der Reiseveranstalter bei der Flugpauschalreise um 6 bis 7 % gesunken sein. Langjährige Trends im Reisemarkt brechen auf. So hat sich die Organisation der Urlaubsreise, die sich stetig zugunsten der Pauschalreise über Reiseveranstalter und Reisebüro verschoben hatte, in den letzten beiden Jahren durch die Erfolge der Billigflieger und dem rasanten Wachstum des Internets wieder zugunsten der Selbstorganisation zurückentwickelt. Ausgelöst durch die Terrorangst stieg auch der Anteil der Autoreisen. Kurzreisen gewannen auf Kosten der längeren Urlaubsreise an Attraktivität. Vor allem Städtereisen legten zuletzt kräftig zu.
Beliebtestes Auslandsreiseziel der Deutschen blieb im letzten Jahr Spanien. Allerdings büßte das Land bei der klassischen Badeurlaubsreise mit längerem Aufenthalt weiter an Attraktivität ein. Auf dem zweiten Platz der beliebtesten Reiseziele findet sich weiterhin Italien mit rund 6,4 Mrd. EUR Reiseausgaben, Österreich und Frankreich konnten sich auf den Plätzen drei und vier der beliebtesten Auslandsreiseziele halten. Der letztjährige fünftplazierte, die Türkei, büßte dagegen einen Platz ein und musste die Schweiz an sich vorbeiziehen lassen. „Renner“ der letzten Urlaubssaison waren einmal mehr die mittel- und osteuropäischen Reformländer. Hier wies der Euro nach wie vor mit die höchste Kaufkraft aller wichtigen Reiseländer auf, was den Sparanstrengungen der Deutschen entgegenkam.
Vieles spricht derzeit dafür, dass der Reiseverkehr 2004 wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt. Auf eine Erholung deuten in erster Linie die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren hin. Auch die geopolitischen Rahmenbedingungen haben sich zuletzt gebessert, es verbleiben aber erhebliche Risiken im Markt. Wachstumsimpulse für die Reisenachfrage kommen weiter von den Low-Cost-Carriern, die zunehmend ihr Angebot um klassische Tourismusdestinationen erweitern und damit neue Kundensegmente für Flugurlaubsreisen erschließen. Zusätzlich könnten Nachholeffekte für Impulse sorgen, verzichteten doch viele Bundesbürger in den letzten Jahren auf ihre früher übliche Auslandsurlaubsreise. Insgesamt erwarten wir nach drei schwachen Jahren einen Zuwachs bei den Ausgaben für Auslandsreisen von rund 5 % auf gut 55 Mrd. EUR. Bei den Reisezielen zeichnet sich eine Erholung der klassischen Urlaubsdestinationen Spanien, Türkei und Ägypten ab, unverändert kräftig zulegen werden aber auch die Billigziele in Mittel- und Osteuropa.

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