Die demographische Entwicklung in Mittel- und Osteuropa
Die Bevölkerung in den MOE-Staaten insgesamt, besonders aber das Erwerbspersonenpotenzial, wird bis 2050 deutlich zurückgehen. Erwerbsfähige müssen in den nächsten Jahrzehnten einen rasant steigenden Anteil von Rentnern unterstützen. Dies wird etwas dadurch abgemildert, das in den MOE-Ländern die alten, umlagefinanzierten Rentensysteme bereits durch moderne Mehr-Säulen-Rentensysteme abgelöst worden sind. Neben den Rentenausgaben lassen alternde Gesellschaften auch die Kosten für Pflege und Gesundheit ansteigen. Allerdings verfügen die MOE-Länder auch über ein hohes Wachstumspotenzial und in den nächsten 25 Jahren dürfte dieses die negativen Effekte des demographischen Wandels überkompensieren. Ab 2030 wird sich dann ein signifikanter Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials negativ auf das Wachstumspotenzial auswirken.
Die Lebenserwartung in den MOE-Staaten ist nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zum Teil deutlich angestiegen, während gleichzeitig die Zahl der Kinder stark zurückgegangen ist. Die Geburtsraten dort gehören inzwischen zu den niedrigsten in Europa und damit der Welt. Ohne nennenswerte Einwanderung – die nicht auszumachen ist – führen die niedrigen Geburtenraten zu einem Bevölkerungsrückgang, während der Anstieg der Lebenserwartung einen Anstieg des Durchschnittsalters zur Folge hat. Die Altersgruppe der Über-65-Jährigen ist die einzige wachsende Altersgruppe in den kommenden Jahren. Insgesamt wird die Bevölkerung in den betrachteten elf Ländern bis 2050 um rund 15 % zurückgehen, das entspricht ca. 16 Millionen Menschen. So wird zum Beispiel Bulgarien – Eurostat-Prognosen zufolge – in den nächsten gut 40 Jahren rund ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren.
Der Druck, der dabei auf umlagefinanzierten Rentensystemen lastet, wird unter anderem durch den Altenquotient beschrieben (für 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt der Quotient die Anzahl der Menschen im Rentenalter an, die unterstützt werden müssen). Gegenwärtig bewegen sich die Altenquotienten in den betrachteten MOE-Ländern zwischen 16 und 26. 2050 werden diese Werte viel höher liegen. In Bulgarien werden dann 60 Ruheständler auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter kommen. In Kroatien und dem Baltikum wird der Quotient mit Werten zwischen 42 und 45 am niedrigsten sein. Der EU-15-Durchschnitt liegt dann bei rund 53.
Die erwerbsfähige Bevölkerung wird bis 2050 – aktuellen Eurostat-Bevölkerungsprognosen zufolge – zum Teil dramatisch zurückgehen. Das Erwerbspersonenpotenzial Bulgariens halbiert sich fast. Aber selbst Slowenien, das den geringsten Rückgang aller betrachteten MOE-Länder aufweist, verliert fast ein Viertel und damit 10 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der EU-15-Länder.
Insbesondere die Rentenkassen sind vom demographischen Wandel betroffen. Die betrachteten MOE-Länder haben bereits darauf reagiert. Die Rentenreformen in den letzten 15 Jahren erfolgten auch mit Blick auf die demographische Entwicklung. Im Ergebnis ging die Bedeutung des umlagefinanzierten Teils des Rentensystems zurück und der kapitalgedeckte Teil wurde bedeutender. Aufgrund dieser Reformen werden bis 2030 die Rentenausgaben prinzipiell unter dem Niveau von 2004 liegen. Der Anstieg von 2030 bis 2050 wird dann allerdings stärker sein als in den EU-15 Ländern.
Alternde Gesellschaften lassen nicht nur die Rentenausgaben sondern auch die für Pflege und Gesundheit ansteigen, gleichzeitig wird weniger in die Ausbildung der Jungen fließen. Allerdings dürfte das hohe Wachstumspotenzial der MOE-Länder in den nächsten 25 Jahren die negativen Effekte des demographischen Wandels überkompensieren. Die nächsten Jahre dürften in erster Linie steigende Einkommen und mehr Beschäftigung bringen. Ein höherer Wohlstand könnte auch die Familienplanung wieder beeinflussen und zu mehr Kindern führen. In diesem Fall wären einige der hier verwendeten demographischen Prognosen obsolet und müssten geändert werden.
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