Economic Research & Corporate Development
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Die demographische Entwicklung in Deutschland rückt nun schon seit einigen Jahren immer mehr in den Blickpunkt von Presse und Politik. In diesem Working Paper zeigen wir die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und die sich daraus ergebenden Konsequenzen auf. Ebenso richten wir einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus.

28.06.2005
Deutschland hat noch gut zehn Jahre Zeit, bis sich die Folgen des demographischen Wandels immer rascher und deutlicher zeigen werden. Diese Zeit gilt es zu nutzen, um die sozialen Sicherungssysteme vorzubereiten. Im Prinzip ist bereits alles gesagt, es mangelt aber noch an der beherzten Umsetzung der als notwendig erkannten Maßnahmen, wie z.B. Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre, Beschränkung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung verbunden mit einer stärkeren Kapitaldeckung, Dynamisierung der Pflegeleistungen im Zuge einer Kapitaldeckung der Pflegeversicherung, usw. Der anhaltende Verzicht auf Kinder ist das bestimmende Element des demographischen Wandels in Deutschland. Die Folge ist auf gesellschaftlicher Ebene die gleiche wie auf familiärer: Vorsorgeleistungen, die früher von Kindern erbracht wurden, müssen zukünftig stärker vom Individuum selbst geleistet werden. Bei der Rente bedeutet dies, dass die fehlenden Nachkommen durch verstärkte Sparanstrengungen kompensiert werden müssen. Eine Gesellschaft, die weniger Kinder alimentieren muss, verfügt aber auch über die finanziellen Mittel, diese Leistungen zu erbringen.
Die Problematik kurzfristig durch eine Anhebung der Geburtenrate zu lösen, ist unmöglich. Zum einen liegt sie bereits viel zu lange auf niedrigem Niveau, um die dadurch hervorgerufenen Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus innerhalb einer Generation zu korrigieren. Zum anderen ist auch nicht klar, wie dies bewerkstelligt werden könnte. Denn Klarheit scheint nur insoweit zu herrschen, als dass es keine monokausale Erklärung für den Geburtenrückgang gibt. Dass der so genannte "Pillenknick" - womit der plötzliche Rückgang der Fertilität ab 1968 beschrieben wird - auch in Japan und dort sogar früher einsetzte, zeigt die Problematik, denn die "Pille" als Verhütungsmittel ist in Japan nach wie vor nicht zugelassen. Eine Steigerung der Fertilität ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und die Frage, wo der günstigste Ansatzpunkt für einen ersten Schritt ist, spaltet die Experten. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass sich das Wunschbild von der idealen Familiengröße im deutschsprachigen Raum immer stärker an die heute tatsächlich angetroffene Situation annähert. Inzwischen liegt die bei Umfragen von Frauen zwischen 20 und 34 Jahren als optimal erachtete Kinderzahl bei 1,7 und damit unter dem Selbsterhaltungsniveau. In aller Regel werden weniger Kinder realisiert als in den Wünschen geäußert. Dies liegt zum Teil auch daran, dass das Alter der Mütter bei der ersten Geburt immer weiter ansteigt, die Fruchtbarkeit mit dem Alter aber abnimmt.
Sieht man einmal von den Unwägbarkeiten, die mit einer veränderten Zuwanderungspolitik verbunden sind, ab, so ist die demographische Entwicklung in Deutschland für die kommenden 50 Jahre recht gut abschätzbar und kaum veränderbar. Die Gesellschaft als Ganzes und jeder Einzelne sind nun an der Reihe, ihre Dispositionen so zu treffen, dass sie von dieser Entwicklung nicht überrascht werden.

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