Economic Research & Corporate Development
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Das Wachstum des deutschen Produktionspotenzials wird derzeit von den meisten Ökonomen auf 1 bis 1,5 % geschätzt. Dies steht auch im Einklang mit dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 1,3 % im Zeitraum 1995 bis 2005. Gibt es Chancen, schnell auf einen dauerhaft höheren Wachstumspfad zurückzukehren? Unsere Auffassung nach, ja.

20.12.2006
In unserem Basisszenario dürfte sich alles in allem beim Bruttoinlandsprodukt in einigen Jahren ein Trendwachstum von rund 2 ¼ % einstellen – eine gemessen an den Wachstumsraten der letzten Jahre beachtliche mittelfristige Dynamik. Dieses Basisszenario beruht hinsichtlich der Wirtschaftspolitik auf der Annahme, dass die bisher in Kraft getretenen und geplanten wirtschaftspolitischen Reformen ihre Wirkung zeigen.
Ein Blick auf die Wachstumsbeiträge der Faktoren Arbeit und Kapital sowie auf die totale Faktorproduktivität zeigt, dass in den letzten zehn Jahren insbesondere der negative Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit von 0,2 Prozentpunkten jährlich kritisch war. Hierbei schnitt Deutschland auch international betrachtet außergewöhnlich schlecht ab. Angesichts der aktuellen Wende am Arbeitsmarkt und der strukturellen Änderungen der letzten Jahre rechnen wir zukünftig mit wieder positiveren Wachstumsbeiträgen.
In unserem Basisszenario für die nächsten Jahre unterstellen wir als Rahmenbedingungen für Deutschland, dass die Weltwirtschaft bis 2010 in etwa im selben Tempo wächst wie in den vergangenen fünf Jahren, große geopolitische Risiken nicht eintreten, die geplanten wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Unternehmenssteuerreform) umgesetzt werden und die Lohnpolitik ihren im Ganzen moderaten Kurs beibehält. In diesem Umfeld dürften Erwerbstätigenzahl und Arbeitsvolumen in den nächsten Jahren ähnlich wie bereits 2006 um rund ¾ % jährlich steigen. Der Wachstumsbeitrag des Faktors Arbeit beträgt dann jährlich rund ½ Prozentpunkt.
Vom Faktor Kapital ist selbst unter zuversichtlichen Annahmen erst in einigen Jahren wieder ein Wachstumsbeitrag zu erwarten, der dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre entspricht (0,6 Prozentpunkte). Das Niveau der Nettoinvestitionen ist derzeit immer noch niedrig, so dass es mehrere Jahre steigender Anlageinvestitionen bedarf, ehe die Expansion des Kapitalstocks wieder an die Zuwachsraten früherer Jahre anknüpft.
Demgegenüber bestehen gute Chancen, dass die totale Faktorproduktivität stärker als in den letzten zehn Jahren (1,0 Prozentpunkte) zum Wachstum beiträgt. Insgesamt rechnen wir in den nächsten Jahren insbesondere in den Dienstleistungsbranchen mit einer weiter zunehmenden Bereitschaft zu Neustrukturierungen. Dies dürfte auch zu einer noch rascheren Umsetzung technologischer Neuerungen führen, zumal die Finanzierungsfähigkeit vieler Unternehmen für die hierzu erforderlichen Ausgaben deutlich gestiegen ist. Im Jahre 2010 erwarten wir einen trendmäßigen Beitrag der totalen Faktorproduktivität zum Wirtschaftswachstum von 1,3 %, also einige Zehntel mehr als in den vergangenen Jahren.

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Michael Machauer
Dresdner Bank AG
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