Indien: Dicht auf Chinas Fersen
Indien hat Anschluss an die fernöstliche Wachstumsdynamik gefunden. Seit einigen Jahren wächst die Wirtschaft sehr dynamisch und kräftig. Viele Faktoren sprechen dafür, dass die indische Volkswirtschaft längerfristig auf einem deutlich aufwärtsgerichteten Wachstumskurs bleiben wird. Der Subkontinent birgt das zweithöchste Wachstumspotenzial weltweit nach China. Indien ist auf dem Weg,eine bedeutende Wirtschaftsmacht zu werden.
In einem Working Paper zur indischen Wirtschaft prognostizieren die Volkswirte derAllianz Gruppe und der Dresdner Bank, dass die indische Volkswirtschaft bis zum Jahr2015 durchschnittlich 7,5 bis 8,5 % pro Jahr wachsen wird. Die Voraussetzungen füreine Fortsetzung des starken Wirtschaftswachstums in Indien sind vielversprechend. Dafür sprechen in erster Linie strukturelle Faktoren: Vor allem zeigte die Ersparnisbildung zu Beginn dieser Dekade eine deutlich positive Entwicklung. Mit 30 % des BIP erreicht die indische Sparquote inzwischen annährend das Niveau der ostasiatischen Länder. Die günstige demografische Entwicklung und die stark wachsende Mittelschicht begünstigen den wirtschaftlichen Aufwärtstrend.
Die industrielle Fertigung in Indien gewinnt an Fahrt. Das Verarbeitende Gewerbewächst inzwischen zweistellig. Dies bedeutet, dass immer mehr Menschen aus demAgrarsektor (in dem immer noch etwa 60 % der Erwerbstätigen beschäftigt sind) in derIndustrie und der Bauwirtschaft Beschäftigung finden können. Folglich wird der Industriesektor künftig stärker als bisher das Wirtschaftswachstum unterstützen.
Dazu kommt die rasante Entwicklung des indischen Finanzsektors. Die Finanzintermediation ist deutlich effizienter als in vielen anderen Schwellenländern. Die Geschäftsbanken schichten ihre Assetportfolien zugunsten privater Darlehensnehmer um und das Kreditvolumen wächst derzeit überproportional gegenüber dem Wirtschaftswachstum. Jedoch muss hier mit temporären Rückschlägen gerechnet werden, da die Immobilien- und Aktienmärkte derzeit stark überhitzt sind. Eine Preiskorrektur könnte temporär 1-2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten, wird aber die günstige langfristige Perspektive nicht beeinträchtigen.
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