Türkei: Beitrittsverhandlungen erhöhen Reformdruck auf EU
Bei der Debatte über einen EU-Beitritt der Türkei stehen meist außenpolitische Überlegungen im Vordergrund, dabei sind die ökonomischen Folgen für die EU ebenfalls gravierend: Unter der Annahme ähnlicher Beitrittsbedingungen für die Türkei wie für die osteuropäischen Länder würden die Kosten eines türkischen Beitritts diejenigen der aktuellen Erweiterungsrunde noch übersteigen.
Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wird den schon jetzt starken Reformdruck auf die EU weiter erhöhen. Ohne weitreichende Reformen der Agrar- und Strukturpolitik würde ein Beitritt der Türkei den durch die Osterweiterung schon angeschlagenen Haushalt der EU sprengen.
Wenn die EU ihre Förderungsmöglichkeiten in der jetzigen Struktur und Höhe auf die Türkei anwenden muß, werden nach den Schätzungen der Volkswirte von Allianz Group und Dresdner Bank 2015, dem ersten Jahr nach dem EU-Beitritt, die Bruttoverpflichtungen für die Türkei bei rund 16 Mrd. EUR liegen. Bei geschätzt zu zahlenden Eigenmitteln der Türkei von 3 Mrd. EUR wird die Türkei netto rund 13 Mrd. EUR aus Brüssel erhalten. Diese Summe dürfte sich dann in den folgenden zehn Jahren durch Steigerung der Direkthilfen im Bereich Agrar und zunehmende Strukturbeihilfen bis 2024 auf brutto 25,5 Mrd. EUR und netto 21,5 Mrd. EUR erhöhen.
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