Economic Research & Corporate Development
click to remove!
Seite weiterempfehlenSchrift vergrössernSchrift verkleinernSeite drucken
Eine gern zitierte ökonomische Weisheit lautet: “If the United States sneezes, the rest of the world catches a cold“. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass schon ein kleiner Konjunkturrückschlag in den USA zu deutlich negativen wirtschaftlichen Auswirkungen anderenorts führt. Zuletzt verliefen die Konjunkturzyklen in den USA und im Euro-Raum jedoch weniger synchron als dies früher der Fall gewesen war. Was sind die Ursachen? Welche Zusammenhänge bestehen? Geht diese Entwicklung so weiter?

13.07.2007
Wichtigste Transmissionskanäle der US-Konjunktur sind der Handel, die Verflechtung der Finanzmärkte, die Korrelation der Marktvolatilitäten sowie die Globalisierung der wirtschaftlichen Erwartungen. In einer globaler werdenden Weltwirtschaft sollte diese Vielzahl von Übertragungswegen eigentlich zu einem zunehmend synchronen Verlauf des Konjunkturzyklus in beiden Wirtschaftsblöcken führen. In unserer Untersuchung zeigte sich, dass die Korrelation am höchsten ist, wenn ein zeitlicher Vorlauf der US-Konjunktur um zwei Quartale gegenüber dem Euro-Raum unterstellt wird. Überraschend ist aber, dass sich die Korrelation in der jüngeren Vergangenheit 2001 bis 2006 (Korrelationskoeffizient: 0,65) gegenüber dem davor liegenden Zeitraum 1995-2000 (Korrelationskoeffizient: 0,72) leicht vermindert hat.
Ein ähnliches Ergebnis erhält man, wenn man das Wachstum im Euro-Raum in einem multiplen Regressionsansatz durch das US-Wachstum und zwei weitere potenzielle Konjunkturdeterminanten – der Veränderung des Ölpreises und der Zinsstrukturkurve im Euro-Raum – schätzt. Für den Zeitraum 1995-2006 sind die drei Erklärungsgrößen auf einem Signifikanzniveau von 90 % abgesichert. Für die Teilzeiträume 1995 bis 2000 und 2001 bis 2006 ergibt der Ansatz allerdings recht unterschiedliche Ergebnisse. Während im früheren Zeitraum die Elastizität des europäischen Wirtschaftswachstums hinsichtlich des amerikanischen noch 0,64 betrug, sank es im jüngeren Zeitraum auf nicht signifikante 0,15.
Die europäische Konjunktur verläuft also in den letzten Jahren tendenziell weniger synchron mit den USA als noch in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Dies ist allerdings nur auf den ersten Blick wirklich überraschend. Die europäische wirtschaftliche Integration ist seit Mitte der neunziger Jahre äußerst rasch vorangeschritten. Mit der Erweiterung der EU um zwölf mittel- und osteuropäische Länder hat sich zudem der Wirtschaftsraum erweitert und ist in seinem Potenzial gewachsen. All dies spricht dafür, dass regionenspezifische Faktoren in stärkerem Maße als früher den europäischen Konjunkturzyklus prägen. So gesehen ist auch der geringere Gleichlauf mit der US-Konjunktur in den letzten Jahren verständlich. Es ist vor diesem Hintergrund auch nicht überraschend, dass die Konjunkturabschwächung in den USA seit Mitte vergangenen Jahres dem Aufschwung in Europa kein Ende setzte, zumal die Auswirkungen auf die Finanzmärkte – dem zweiten wichtigen Übertragungskanal – bisher äußerst gering waren. 
Anders sieht es allerdings auch zukünftig im Fall einer scharfen US-Rezession aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit deutliche Spuren an den Finanzmärkten hinterließe. Hier müsste man trotz der verstärkten wirtschaftlichen Integration Europas nach wie vor mit einer deutlichen Belastung der europäischen Konjunktur rechnen. Die Korrelation des Wirtschaftswachstums beider Räume würde im Zuge dessen voraussichtlich wieder spürbar zunehmen.

Download

Seite weiterempfehlenSchrift vergrössernSchrift verkleinernSeite drucken
Kontakt
Michael K. Machauer
Dresdner Bank AG
+49.69.263.7079
Branchenresearch