Europäischer Wachstums- und Beschäftigungsmonitor: Indikatoren für eine erfolgreiche Wissensökonomie
Die zweite Ausgabe unseres jährlich erscheinenden Wachstums- und Beschäftigungsmonitors, der die Fortschritte im Lissabon-Prozess misst, zeigt insgesamt starke Verbesserungen in den meisten EU-Ländern. Elf der größten EU-Volkswirtschaften sind auf dem Weg zu den Lissabonzielen gut positioniert; zukünftige Entwicklungen werden jedoch von globalen Unsicherheiten überschattet. Finnland und Irland belegen Platz 1 und 2; Österreich, Frankreich und Italien liegen hinten; Großbritannien und Deutschland haben sich am stärksten verbessert; die Niederlande sind stark zurückgefallen. In elf europäischen Ländern wächst die Produktivität mittlerweile schneller als in den USA. Gegenüber der Veröffentlichung im letzten Jahr haben wir den untersuchten Länderkreis von den neun auf die vierzehn größten EU-Mitglieder erweitert. Außerdem hat uns die Brisanz der Klimawandeldebatte bewogen, in die vorliegende Studie einen Sonderteil zum Thema „effizientere Ressourcennutzung – Schlüsselfaktor für Europas Wirtschaftskraft“ aufzunehmen.
Der Lissabon-Indikator bewertet die Länder nach sechs Schlüsselkriterien, die für Erfolg im 21. Jahrhundert entscheidend sind: Wirtschafts- sowie Produktivitätswachstum, Beschäftigungsentwicklung, Qualifikationsgrad der Beschäftigten, Ausrüstungsinvestitionen und Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen.
Die Kernaussagen der Studie sind:
- Wenn sich die aktuelle Dynamik fortsetzt, können die EU-15 die Ziele der Lissabon-Agenda erreichen. Dies signalisiert der aktuelle Zielerfüllungsgrad von 105% nach 89% im 3. Quartal 2006.
- Nur drei der untersuchten Länder – Frankreich, Österreich und Italien – sind derzeit nicht auf dem Weg, die Lissabonziele zu erreichen.
- Finnland führt das Ranking aufgrund hoher Werte bei Wirtschaftswachstum, Arbeitsproduktivität, Qualifikationsgrad der Beschäftigten sowie Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen klar an. Die Studie geht davon aus, dass Finnland problemlos in der Lage sein dürfte, die Lissabon-Vorgaben sogar zu übertreffen.
- Schlusslicht ist Italien, das insbesondere beim Wirtschaftswachstum, der Qualifikation von Arbeitskräften, der Arbeitsproduktivität sowie der Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen noch Nachholbedarf hat.
- Frankreich platziert sich auf dem 12. und damit drittletzten Rang. Die Hauptgründe sind das schleppende Wirtschaftswachstum und die schlechten öffentlichen Finanzen.
- Als erstes Land der neuen EU-Mitgliedstaaten wurde Polen in das Ranking aufgenommen und erreicht trotz sehr unterschiedlicher Ergebnisse in den einzelnen Subindikatoren auf Anhieb den 5. Platz. Stärken hat Polen insbesondere beim Wirtschaftswachstum und der Arbeitsproduktivität, Schwächen bei der Beschäftigungsquote und der Qualifikation von Arbeitskräften.
- Elf der betrachteten Länder weisen derzeit ein höheres Produktivitätswachstum als die USA auf. Dies ist eine bemerkenswerte Entwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund des europäischen „Job Wunders“, der Schaffung von sechs Millionen neuen Arbeitsplätzen allein in den letzten zwei Jahren.
- Hochqualifizierte Arbeitskräfte werden immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. In dem entsprechenden Teilranking sind Finnland, Belgien und Irland die Spitzenreiter.
- Viele europäische Länder haben den jüngsten Wirtschaftsaufschwung nicht hinreichend zur weiteren Konsolidierung der Staatsfinanzen genutzt, um sich auf die zukünftigen Herausforderungen vorzubereiten, insbesondere auf die demographischen Veränderungen.
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