Der europäische Wachstums- und Beschäftigungsmonitor: Indikatoren für eine erfolgreiche Wissensökonomie
Allianz SE und der Lisbon Council, ein in Brüssel ansässiger Think Tank, haben den „European Growth and Jobs Monitor“ veröffentlicht. Die Studie zeigt, dass die EU-15 auf dem besten Weg ist, die in der Lissabon Agenda für 2010 gesetzten Ziele für Wachstum und Beschäftigung zu erreichen. In den neun größten Volkswirtschaften der EU greifen inzwischen die Reformen, einige europäische Länder verzeichnen derzeit einen stärkeren Produktivitätszuwachs als die USA. Schweden rangiert auf Platz eins; Belgien hat sich am stärksten gesteigert, aber auch Deutschland steht gut da; Frankreich und Italien hinken hinterher.
Aus dem Ranking lassen sich Indikatoren für den Erfolg in der Wissensökonomie ableiten. Die Studie untersucht, wie die EU-15 insgesamt aber auch die neun größten Volkswirtschaften jeweils einzeln in der Umsetzung der so genannten Lissabon Ziele abschneiden. Dafür nutzt die Studie aussagekräftige Indikatoren, um den wirtschaftlichen Erfolg im Wissenszeitalter zu bewerten. Dazu gehören der Anteil hoch qualifizierter Arbeitskräfte und zukunftsorientierter Investitionen ebenso wie die Nachhaltigkeit öffentlicher Finanzen.
Europa hat nach Jahren enttäuschender Leistung die Trendwende eingeläutet. Wie der „European Growth and Jobs Monitor“ klar zeigt, zahlen sich die Reformbemühungen der vergangenen Jahre jetzt aus. Trotzdem kann sich Europa nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Wenn es sich im globalen Wettbewerb behaupten und die demografischen Herausforderungen einer alternden und rückläufigen Bevölkerung meistern will, muss der Reformprozess weiterlaufen. Der Reformzug, der auch mit dem Lissabon Prozess in Bewegung gesetzt wurde, muss weiter fahren. Dass die Reformpolitik der vergangenen Jahre inzwischen, wirtschaftlich und sozial gesehen, fruchtet, steht eindeutig fest.
Die wichtigsten Ergebnisse:
1) Die EU-15 sind nur knapp unterhalb des Zielpfades, um die in der Lissabon Agenda für 2010 gesetzten Ziele zu erfüllen. Der heutige Zielerreichungsgrad liegt bei 90 %, Ende 2005 waren es noch 73 %. Alle Staaten haben im letzten Jahr ihre Performance teils deutlich verbessert.
2 ) Im Ländervergleich schneidet Schweden am besten ab, das in puncto Wirtschaftswachstum, Arbeitsproduktivität, Beschäftigungsquote wie auch öffentliche Finanzen die Ranglisten anführt.
3) Drei Kandidaten – Schweden, Belgien und die Niederlande – steuern erkennbar auf stetiges starkes Wachstum und hohe Beschäftigung zu. Mit Großbritannien, Spanien und Deutschland haben drei weitere Länder in der Umsetzung der ehrgeizigen Ziele von Lissabon gute Fortschritte gemacht.
4) Auch Italien bewegt sich in die richtige Richtung. Dafür sprechen ein höheres Wachstum und eine gute Bilanz bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. Dennoch nimmt Italien den letzten Platz ein. Als besondere Schwachpunkte kristallisierten sich die Qualifikation von Arbeitskräften, die Arbeitsproduktivität und die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen heraus.
5) Frankreich rutschte innerhalb eines Jahres infolge mäßigen Wachstums und schwacher Produktivitätsfortschritte um zwei Plätze ab und steht jetzt an vorletzter Stelle.
6) Die Produktivität steigt in einer Reihe europäischer Länder schneller als in den USA – diese wurden 2006 von Schweden, Belgien, Deutschland und Großbritannien überrundet.
7) Mit einem fast 40-prozentigen Anteil von Hochschulabsolventen unter den Gesamtbeschäftigten ist Belgien außerordentlich gut für die Herausforderungen des Wissenszeitalters gerüstet.
8) Nachdem die Investitionen in Maschinen und Ausrüstung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) – ein Schlüsselindikator für technischen Fortschritt und Innovationspotenzial – mehrere Jahre lang zurückgegangen waren, hat sich der Trend jetzt europaweit umgekehrt. Spanien nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein.
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