Economic Research & Corporate Development
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Mit Hilfe unsers Lissabon Indikators lässt sich der Erreichungsgrad zentraler Zielvorgaben, die sich die EU im Jahr 2000 setzte, zeitnah messen. Zunächst wurde er für die EU15 insgesamt berechnet, nun stellen wir in dieser Studie die Ergebnisse für die vier großen Volkswirtschaften des Euro-Raums vor. Der Gesamtindikator und seine Bausteine ermöglichen eine Bestandsaufnahme über die Position der einzelnen Länder im Lissabon-Prozess. Stärken und Schwächen werden deutlich.

19.07.2005
Erst im Frühjahr dieses Jahres hatten die Staats- und Regierungschefs den Lissabon- Prozess neu ausgerichtet und dabei den Schwerpunkt auf die Schaffung von Wachstum und Beschäftigung gelegt. Dieses Ziel soll mit einem Bündel von Maßnahmen erreicht werden. Unser Trend Report "Lissabon II - Chancen für Europa" vom 11. Mai 2005 hat die wichtigsten Eckpunkte analysiert. Um die Fortschritte in der Umsetzung der Lissabon-Strategie zeitnah beurteilen zu können, hatten wir einen Lissabon Indikator entwickelt. Diesen haben wir nun weiterentwickelt und auf die nationale Ebene der vier großen Volkswirtschaften des Euro-Raumes - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien -heruntergebrochen.
Dies schafft sowohl eine transparentere Grundlage für Ländervergleiche als auch eine Beurteilungsbasis für die im Herbst zur Veröffentlichung anstehenden nationalen Aktionsprogramme.
Die wesentlichen Schlüsse unserer Analyse lauten: Deutschlands Abschneiden war zwar bislang zweifellos unbefriedigend, inzwischen erscheint aber - nicht zuletzt durch unternommene Reformen - die Grundlage gegeben, um den Lissabon-Zielen insgesamt wieder näher zu kommen. Wenngleich man gemessen am aktuellen Wert des Gesamtindikators von einer niedrigen Ausgangsbasis startet, halten wir im Vergleich zu den drei anderen EWU-Schwergewichten eine relativ ausgeprägte Aufwärtsbewegung für möglich. Für Frankreich erwarten wir, dass Besserungstendenzen teils anhalten, teils auslaufen, teils hinzukommen. Summa summarum wird die dortige Entwicklung wahrscheinlich mit allmählichen Schritten in Richtung der Lissabon-Vorgaben gehen. In Italien gestaltet sich das Bild düsterer. Aufgrund von Strukturproblemen, die von der Politik nicht überzeugend angegangen werden, dürfte das Land in einer Schlusslicht-Position bleiben. Innerhalb der spanischen Wirtschaft sehen wir für die Zukunft wesentliche Hemmfaktoren, die voraussichtlich verhindern werden, dass die Lissabon-Kurve hier nach oben dreht. Dennoch dürfte Spanien beim Grad der Zielerreichung weiterhin relativ gut dastehen.
Mit dem Euro sowie der einheitlichen EZB-Geldpolitik treten Strukturdefizite in einzelnen EWU Volkswirtschaften letztendlich deutlicher zutage als vor Beginn der Währungsunion. Dies an sich sollte Anreiz geben, erfolgversprechende Reformen umzusetzen. Bisher wurde der Lissabon-Prozess von "benchmarking" und "peer pressure" nicht vorangetrieben. Zu hoffen ist, dass mit den nationalen Aktionsprogrammen zumindest größere Transparenz entsteht. Auch die in dieser Studie vorgestellten Länderindikatoren tragen zu einer besseren Beurteilungs- bzw. Vergleichsgrundlage bei. Wie die von uns diagnostizierten Stärken und Schwächen mit den Vorhaben der nationalen Aktionspläne harmonieren, bleibt aufmerksam zu verfolgen.

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