Economic Research & Corporate Development
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Europas Hypothekenmärkte werden 2008 aus zwei Gründen stark im Fokus bleiben. Einerseits bewegt die Frage, inwieweit das US-Subprime-Debakel in Europa eine Fortsetzung finden könnte. Auf der anderen Seite ist mit der Veröffentlichung des Weißbuchs über die Integration der EU-Hypothekarkreditmärkte durch die EU-Kommission kurz vor Weihnachten wieder Bewegung in die Debatte über eine angemessene Regulierung der EU-Hypothekenmärkte gekommen. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, noch einmal genauer die Struktur des europäischen Hypothekenmarkts zu untersuchen.

22.01.2008
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung über eine angemessene Regulierung stehen die Regelungen zur vorzeitigen Rückzahlung. Legislative Maßnahmen werden dabei als die wirksamste Option angesehen, ihr tatsächlicher Einsatz aber von weiteren Folgenabschätzungen abhängig gemacht. Die Drohung, der deutschen Praxis in diesem Bereich auf europäischem Wege ein Ende zu bereiten, ist also nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Der Heterogenität des EU-Markts lassen sich unter dem Aspekt der Finanzstabilität durchaus auch positive Aspekte abgewinnen. Eine weitere, forcierte Harmonisierung, jenseits der durch Wettbewerb und Konsolidierung angestoßenen Marktprozesse, erscheint daher nur gerechtfertigt, wenn sie durch die Einebnung großer Zinsunterschiede zwischen den Teilmärkten signifikante Vorteile für Wohlstand und Wachstum in Europa verspräche.
Grob lassen sich die europäischen Hypothekenmärkte in zwei Klassen unterscheiden. Auf der einen Seite solche Länder, die einen „entwickelteren“ Hypothekenmarkt mit günstigen regulatorischen Rahmenbedingungen besitzen. Dazu zählen insbesondere UK, Irland, die Niederlande und Dänemark. Die zweite Gruppe umfasst Staaten, deren Hypothekenmärkte „weniger entwickelt“ sind und durch ein wenig förderliches institutionelles Umfeld gekennzeichnet sind. Dies trifft tendenziell für Italien, Frankreich, Griechenland, Belgien und Österreich zu. Eine klare Zuordnung einzelner Staaten zu einer bestimmten Gruppe ist jedoch schwierig und sollte weitere den Hypothekenmarkt beeinflussende Faktoren mit einschließen.
Die Heterogenität der europäischen Hypothekenmärkte steht außer Frage. Entscheidend für die Frage der Effizienz der Märkte ist aber das Wirken des Wettbewerbs in Richtung Preiskonvergenz. Denn Harmonisierung und Integration sind kein Selbstzweck, sondern sollen letztlich zu niedrigeren Preisen und so zu mehr Wohlstand und Wachstum führen. Dabei bleibt als Fazit jedoch festzuhalten, dass im Bereich der Hypothekenkredite in den vergangenen Jahren ein starker Konvergenzprozess stattgefunden hat. Die Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind bereits niedrig, vor allem auch mit Blick auf andere Kredite an private Haushalte.
Dieses Ergebnis ist angesichts der großen Marktheterogenität und des damit einhergehenden nach wie vor relativ geringen Volumens an grenzüberschreitendem Geschäft umso erfreulicher. Um das bisher Erreichte zu sichern und weitere Fortschritte zu erzielen – insbesondere bei der direkten grenzüberschreitenden Kreditvergabe –, ist es erforderlich, den Wettbewerb auch zwischen den strukturell unterschiedlichen Teilmärkten noch stärker zu fördern. Ein diskriminierungsfreier Marktzutritt für alle Anbieter ist dafür essenziell.

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Michael K. Machauer
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