Immobilienmärkte: Wohnimmobilienmarkt im Umbruch: eine Trendanalyse bis 2010
Eine Reihe von Megatrends bestimmen nach Ansicht der Allianz Group-Volkswirte den Immobilienmarkt in den kommenden Jahren: Sozio-ökonomische und kulturelle Einflüsse werden die Preisbildung für Wohneigentum stark beeinflussen. Weiterhin werden Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen nachhaltige Auswirkungen auf die Wohnungsbauförderung und Immobilienfinanzierung haben. Dazu zählt zum einen die zu erwartende Änderung bei der Eigenheimzulage, aber auch die Abgabe von Wohnraum aus den Unternehmensbilanzen und Privatisierungen im kommunalen Bereich. Für die Immobilie als Kapitalanlage zur Fremd- und auch zur Eigennutzung sprechen die derzeit günstigen Zinsen, ein moderates Kaufpreisniveau, ein langfristiger Wertzuwachs sowie die „Immobilienrente“ im Alter. Ausschlaggebend beim Erwerb sollten die Lage sowie die zukünftige räumliche Entwicklung sein.
In der Diskussion um den demographischen Wandel ist häufig von Überalterung und Schrumpfung der Gesellschaft die Rede. Dies ist jedoch eine sachlich verkürzte Auffassung: Zwar wird es in absehbarer Zeit eine Verschiebung der Alterstruktur geben, doch die Zahl der Haushalte wird weiter steigen. Auch der Trend zu größeren Wohnungen hält an. Schon heute sind erhebliche Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung zwischen den einzelnen Bundesländern zu verzeichnen. Zwar erlebt Deutschland insgesamt eine positive Zuwanderung aus dem Ausland, parallel dazu findet jedoch eine ausgeprägte Ost-West-Wanderung statt. Auch zukünftig werden vor allem die Ballungszentren weitere Bevölkerungszuwächse erleben. Besonders die „Speckgürtel“ der Großstädte befinden sich weiter im Aufschwung. Diese Entwicklung hat weitreichende Auswirkungen auf den privaten Immobilienmarkt. Dichtbesiedelte Gebiete werden weiter überproportional steigende Preise verzeichnen. Hingegen dürften sich die Aussichten für die Immobilienpreise in ländlichen Regionen eher eintrüben. Allerdings nehmen die regionalen Unterschiede bei den Immobilienpreisen zu, erwarten die Volkswirte von Allianz und Dresdner Bank. Neben Wohnfläche oder Grundstücksgröße und Baujahr ist bekanntlich die Lage eine zentrale Einflussgröße für den Immobilienpreis. Nur wenige hundert Meter können hierbei schon gewaltige Unterschiede ausmachen.
Bau- und Immobilienwirtschaft reagieren darüber hinaus deutlich auf politische Rahmensetzungen: Bei einer verminderten steuerlichen Förderung sinken die Baugenehmigungen, bei verbesserten Bedingungen ist ein klares Anziehen der Bauaktivitäten zu registrieren. Die Mehrheit der Wohnungswissenschaftler befürwortet eine Fokussierung der Wohnungspolitik auf Wachstumskerne und eine Förderung im Bestand. Schon heute fließen schätzungsweise rund zwei Drittel aller Investitionsmittel nicht mehr in die Bestandserweiterung, sondern in die Erhaltung und Verbesserung.
Weit mehr Einfluss auf die Entwicklung des Wohnimmobilienmarktes werden allerdings weitere politische Änderungen haben. So plant das Bundesfinanzministerium die „Hebung“ von Immobilienreserven steuerlich zu entlasten. Schätzungen zu Folge könnten in den nächsten Jahren bis zu vier Millionen Wohneinheiten aus dem Bestand von Unternehmen und Kommunen den Besitzer wechseln. Zur Zeit werden daher Instrumente gesucht, mit denen dies möglichst marktschonend vollzogen werden kann. Eine Möglichkeit ist die Einführung von Real Estate Investment Trusts, kurz REITs.
Vermietete Wohnimmobilien bleiben als Anlage für Investoren interessant, dabei sind gesunde wirtschaftliche Strukturen des lokalen Marktes und die Prognose einer stabilen Entwicklung wichtig. Regionale Wachstumsmärkte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München, aber auch Karlsruhe, Freiburg oder Dortmund sind attraktive Zielregionen für Investoren in den Wohnungsbau.
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