Wohnen im Alter: Bestandsaufnahme und Marktpotenziale
Der demographische Wandel ist auch für den deutschen Wohnimmobilienmarkt ein Megathema. Das zeigt sich schon allein daran, dass der Anteil der Haushalte mit Personen über 65 Jahren von heute knapp unter 30 % an der Gesamtheit auf über 40 % im Jahr 2035 ansteigen wird. Allzu häu-fig wird jedoch der Fehler gemacht, dies als Bedrohung anzusehen. Zwar ist nicht zu leugnen, dass insbesondere der ländliche Raum in Deutschland hinsichtlich seiner Bevölkerung erheblich aus-dünnen wird. Doch schon für die Ballungsgebiete gilt das nicht uneingeschränkt. Auch darf das Thema der Alterung nicht beständig mit Krankheit und Senilität in Verbindung gebracht werden. Im Gegenteil – die Generation der „neuen Alten“ ist heute gesünder, materiell besser ausgestattet und lebensfreudiger als jede ihrer Vorgängergenerationen.
Der demographische Wandel hat somit das Potenzial auf mittlere Sicht einer der großen Treiber für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Deutschland zu werden. Mit Bezug auf die Wohnraumnutzung zeigen Befragungen ein eindeutiges Bild: Die überwiegende Mehrheit der heutigen Rentnergeneration ist mit ihrer Wohnsituation überaus zufrieden und will nach Möglichkeit in der derzeit genutzten Immobilie bleiben. Fast alle tun dies auch, selbst wenn dies mit zunehmendem Lebensalter beschwerlicher werden sollte. Neben dem enger werdenden Finanzierungsgerüst für die gesetzliche Pflegeversicherung ist dies der Hauptgrund dafür, weshalb der Bedarf an Pflegeimmobilien mit großer Wahrscheinlichkeit erheblich überschätzt wird.
Gefragt sind vielmehr solche Leistungen, die einen möglichst langen Verbleib in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Befragungsdaten deuten darauf hin, dass einer hohen individuellen Bedarfseinschätzung allerdings eine nur sehr beschränkte Inanspruchnahme gegenübersteht. Dies deutet auf bislang unerschlossene Marktpotenziale in diesem Bereich hin. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) quantifiziert diesen auf rund 15 Mrd. EUR/Jahr im Bereich von Modernisierungs- und Instandhaltungsleistungen sowie auf rund 26 Mrd. EUR/Jahr im Bereich der ergänzenden Service- oder Assistance-Leistungen. Derartige Finanzvolumina dürften sich jedoch aus dem laufenden Einkommen kaum mobilisieren lassen, so dass es spezifischer Finanzierungs- oder Vorsorgeinstrumente bedürfen wird.
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