Economic Research & Corporate Development
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Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ist seit Ende Mai spürbar gestiegen. Mit dem klaren Überschreiten der Schwelle von 1,5 % befinden sich die Langfristzinsen damit inzwischen wieder auf dem Niveau, das vor Einführung der quantitativen Geldpolitik der Bank of Japan im März 2001 herrschte. Damit hat die Phase der „Normalisierung“ des JGB-Markts begonnen.

29.06.2004
Nach Einschätzung der Volkswirte der Allianz Group und Dresdner Bank ist vorerst ein Renditeniveau um 1,75 % fundamental gerechtfertigt. Mit den steigenden Aussichten auf eine Überwindung der Deflation dürften die Renditen allerdings schon im nächsten Jahr die 2 %-Marke überschreiten.
Darüber hinaus wird die Entwicklung am japanischen Rentenmarkt in den kommenden Jahren von zwei großen Themen bestimmt werden: Haushaltskonsolidierung und Reform des japanischen Finanzsystems.
Die drastische Verschlechterung der japanischen Staatsfinanzen ist Spiegelbild der langen wirtschaftlichen Stagnationsphase. Letztlich war der Staat gezwungen, den notwendigen Konsolidierungsprozess des privaten Sektors mit einer expansiven Fiskalpolitik zu unterstützen. Mit den jetzt erreichten Restrukturierungserfolgen im Rücken haben sich die Grundlagen für eine schrittweise Reduktion der Primärdefizite verbessert. Aber auch bei einem nachhaltig positiven nominalen Wirtschaftswachstum wird der Weg zu ausgeglichenen Primärhaushalten nicht ohne eine Umkehr in der Steuerquote erfolgen können. Die japanische Regierung ist gefordert, möglichst bald eine verbindliche mittelfristige Strategie zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte vorzulegen, um die Erwartungen hinsichtlich der Entwicklung der Schuldenquote zu stabilisieren.
Der japanische Rentenmarkt ist durch institutionelle Besonderheiten geprägt – allen voran die starke Präsenz des öffentlichen Sektors -, die die generelle Schwäche des japanischen Finanzsystems widerspiegeln: Ein Großteil der privaten Ersparnisse wird indirekt, via Postsparkassensystem, öffentliche Pensionsfonds oder Banken, in die Finanzierung politisch sensibler Projekte gelenkt. Angesichts der Alterung der japanischen Gesellschaft ist eine effizientere Kapitalallokation durch Stärkung der direkten, markt-basierten Finanzierung dringend erforderlich. Ein solcher Umbau des Finanzsystems gehört daher auch zur Reformagenda der Regierung. Zur Nagelprobe wird dabei die für 2007 geplante Privatisierung des Postsparkassensystems werden. Gelingt dieses Vorhaben, wäre die Normalisierungsphase auf dem japanischen Rentenmarkt erfolgreich abgeschlossen.

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Kontakt
Michael Machauer
Dresdner Bank AG
+49.69.263.7079