Deutschland: Das Gewinnrätsel: Hoher Ertragszuwachs der Kapitalgesellschaften bei mäßiger Konjunkturerholung
Der Gewinnsprung vieler deutscher Unternehmen erzeugt angesichts der Arbeitsmarktmisere und der Flaute der Binnenkonjunktur verwundertes Staunen. So stieg der Jahresüberschuss der 30 DAX-Unternehmen 2004 nach Analystenschätzungen um 72 %. Dabei war die Verbesserung bei den operativen Erträgen die eigentliche Triebkraft für das höhere Gewinnniveau. Wie läßt sich aber nun das Gewinnparadoxon erklären?
Eine Analyse auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zeigt, dass die Entwicklung der Arbeitseinkommen 2004 in ganz erheblichem Umfang hinter der Entwicklung des Volkseinkommens zurück blieb. Den Unternehmen gelang es ihre Gewinnmargen zu verbessern, indem sie die Arbeitskosten reduzierten, ohne im selben Umfang die Absatzpreise zu senken. In einer Konjunkturerholung ist es durchaus üblich, dass die Unternehmenserträge überproportional anwachsen. Erst wenn sich der Beschäftigungsanstieg in späteren Phasen des Aufschwungs beschleunigt, schließen die Arbeitseinkommen in ihren Zuwachsraten wieder auf. Auffällig ist jedoch wie ausgeprägt dieses „konjunkturelle Muster“ bisher verläuft. Trotz eines sehr verhaltenen Konjunkturaufschwungs, der sich zum Jahreswechsel 2004/2005 sogar noch verflacht hat, sind Umfang und Tempo der Gewinnerholung exzeptionell.
Von daher stellt sich die Frage, ob die Entwicklung ausschließlich konjunkturbedingt ist, oder ob zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen. Die Überlegung liegt nahe, dass die Globalisierung mit der Integration großer Emerging Markets in die Weltwirtschaft zu einem verschärften Wettbewerb beim Faktor Arbeit in den Industrieländern geführt hat. Weltweit ist das Arbeitsangebot reichlich. Hiervon gehen sicherlich dämpfende Einflüsse auf die Lohnkosten in den Industrieländern aus.
Die Unternehmen in Deutschland haben massivste Anstrengungen unternommen , ihre Profitabilität wiederherzustellen. Dieser Prozess dauerte länger und war intensiver als die Konsolidierung in früheren Rezessionen. Die Früchte ernten die Unternehmen nun
in Form deutlich steigender Gewinnmargen. Als „gebrannte Kinder“ sind die Firmen jedoch vorsichtiger geworden, ihren Konsolidierungskurs und ihr rigides Kostenmanagement aufzugeben und wieder voll auf Expansion zu setzen. Somit weiten sie bisher nur in Einzelfällen ihre Beschäftigung aus, verbreitet decken sie bei Investitionen nur ihren Ersatzbedarf. So gesehen ist es erklärbar, dass der mäßige Konjunkturaufschwung einhergeht mit kräftigen Gewinnverbesserungen. Das Gewinnrätsel ist insofern gelöst.
in Form deutlich steigender Gewinnmargen. Als „gebrannte Kinder“ sind die Firmen jedoch vorsichtiger geworden, ihren Konsolidierungskurs und ihr rigides Kostenmanagement aufzugeben und wieder voll auf Expansion zu setzen. Somit weiten sie bisher nur in Einzelfällen ihre Beschäftigung aus, verbreitet decken sie bei Investitionen nur ihren Ersatzbedarf. So gesehen ist es erklärbar, dass der mäßige Konjunkturaufschwung einhergeht mit kräftigen Gewinnverbesserungen. Das Gewinnrätsel ist insofern gelöst.
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