Wirkungen einer Euro-Aufwertung auf Exporte und Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und der EWU
Die Außenhandelsstruktur Deutschlands und der EWU ist bei der Beurteilung der Wechselkurswirkungen auf Exporte und Wirtschaftsentwicklung eine wichtige Determinante. So werden etwa die deutschen Exporte in die Länder der europäischen Gemeinschaft aufgrund des weitgehend gemeinsamen Währungsraums durch Wechselkursschwankungen nicht direkt beeinflusst. Hingegen ist bei einer Euro-Aufwertung eine merkliche Dämpfung bei den Exporten in die Länder des Dollar-Raums zu beobachten.
Der Euro hat seit Ende 2002 bis Mitte Dezember 2003 gegenüber dem Dollar um 18 % aufgewertet. Dies führte zu einem Anstieg des realen Wechselkurses um rund 9 %. Da die deutschen Exporte zu einem Großteil in den Euro-Raum gehen und Deutschlands Preisauftrieb schwächer ist als im EWU-Durchschnitt, fällt der Anstieg des handelsgewichteten Indikators der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft mit annähernd 3 % noch geringer aus (Anstieg des Indikators: Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit).
Unsere empirischen Untersuchungen zeigen, dass dieser Anstieg um 3 % für sich genommen die Zunahme der deutschen Exporte in realer Rechnung – nach einer Wirkungsverzögerung von einigen Quartalen – um ebenfalls rund 3 % mindert. Damit werden die deutschen Exporte durch Wechselkursänderungen erheblich beeinflusst. Diese hohe „Wechselkurselastizität“ der Exporte ist auch auf das Verhalten der deutschen Exporteure zurückzuführen. Diese lassen bei einer Aufwertung des Euro die Preise ihrer Produkte in Euro häufig stabil und erhöhen damit die Preise in der Auslandswährung, um keine Gewinneinbußen in Kauf zu nehmen.
Die relativ starre Preissetzung deutscher Exporteure belastet die Wettbewerbsfähigkeit in Aufwertungsphasen, führt jedoch auch zu gesamtwirtschaftlichen Einkommensgewinnen. Eine Euro-Aufwertung wie in unserem Falle - einer 9 %-igen Aufwertung des realen Euro-Außenwerts und einer damit einhergehenden 3 %-igen Erhöhung des Indikators der deutschen preislichen Wettbewerbsfähigkeit – führt zu einem preislichen Vorteil im Austausch von Gütern (Terms of Trade) von rund 1 ½ Prozentpunkten. Dies entspricht einem Einkommensgewinn für die deutsche Volkswirtschaft von rund 10 Mrd. EUR (0,5 % des BIP).
Neben der geringeren Exportdynamik hat eine Euro-Aufwertung noch weitere negative, aber auch positive Wachstumseffekte. Alles in allem führt eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar um 18 % in Deutschland zu einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums um reichlich 0,5 Prozentpunkte. Für den Euro-Raum sind nach unseren Schätzungen ähnliche Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum zu erwarten.
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