Ukraine: Comeback der Kornkammer?
2007 entwickelte sich die Ukraine sehr dynamisch. Das reale Wirtschaftswachstum betrug knapp 8%, die realen Einkommen expandieren seit vier Jahren kräftig und noch nie flossen so viele ausländische Direktinvestitionen in das Land wie im vergangenen Jahr. Neben dem steigenden Stahlpreis – die Stahlindustrie ist die Säule der ukrainischen Wirtschaft - war vor allem die inländische Nachfrage maßgeblicher Wachstumsfaktor. Die wirtschaftliche Entwicklung trotzt den derzeitigen politischenTurbulenzen im Land. Die Regierungskoalition befindet sich bereits neun Monate nach der Wahl wieder in stürmischen Zeiten und der Reformprozess ist ins Stocken geraten.
Dabei bestehen erhebliche wirtschaftspolitische Herausforderungen, denn es droht eine Überhitzung der heimischen Wirtschaft: das jährlich Kreditwachstum liegt seit vier Jahren bei durchschnittlich 70%, das Land verzeichnet die höchste Preissteigerungsrate Europas und das Leistungsbilanzdefizit wird sich im laufenden Jahr drastischausweiten.
Positiv stimmt jedoch die anstehende gute Ernte, die ins Gedächtnis ruft, dass die Ukraine einst als Kornkammer Europas galt. Um langfristig diesen Ruf zurückzuerhalten, müssen aber noch zahlreiche strukturelle Defizite beseitigt werden. Verlässlichere Ernten könnten dazu beitragen, viele Probleme zu lösen: die Lebensmittelpreise im Inland könnten sinken, es könnten dauerhaft Exporterlöse erzielt werden, was das Leistungsbilanzdefizit verringern würde und die hohe Abhängigkeit vom Stahlsektor könnte minimiert werden. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg.
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