Economic Research & Corporate Development
click to remove!
Seite weiterempfehlenSchrift vergrössernSchrift verkleinernSeite drucken
Am Ölmarkt schienen die Eskapaden des letzten Jahres mit Preisspitzen von 80 USD pro Barrel in weite Ferne gerückt. Seit seinem Höchststand im August 2006 war das Erdöl zwischenzeitlich sogar um 35 % billiger geworden. Gegenwärtig kann sich das Rohöl für die Sorte Brent noch in Reichweite der 60 USD Marke halten. Welche Faktoren beeinflussen eine derartige Volatilität und wie sieht die zukünftige Entwicklung aus?

02.04.2007
Die globale Ölnachfrage hängt maßgeblich von der weltwirtschaftlichen Lage ab. In den vergangenen Jahren florierte die Konjunktur. Doch während die Erdölnachfrage 2004 noch um 3,9 % zulegte, stieg der Ölverbrauch nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA in den Jahren 2005 und 2006 nur um 1,6 % bzw. 1,0 %. Allerdings zeigen sich zwischen den Industrieländern und den Emerging Markets unterschiedliche Trends im Energieverbrauch. Die Industrieländer konsumieren mit rund 60 % den weitaus größten Teil der Weltölproduktion, aber ihre Energieintensität nimmt ab.Hinzu kommt ein wesentlich höheres Ölpreisniveau. Der Preisanstieg der letzten Jahre hat zu einem energiesparenderen Verhalten, bzw. zu einer stärkeren Verwendung von entsprechenden Techniken angeregt.
Im laufenden Jahr wird das weltweite Wirtschaftswachstum etwas hinter dem des vergangenen Jahres zurückbleiben, aber immer noch robust ausfallen. Unter dem Strich dürfte damit ein Anstieg des globalen Ölverbrauch um rund 1,4 % auf knapp 86 mb/d (Millionen Barrels am Tag) verbunden sein. Wichtig ist nun, inwieweit die Ölproduktion mitziehen kann. Nicht zu vernachlässigen ist dabei der Aspekt, dass der Großteil des schwarzen Goldes aus relativ turbulenten Regionen kommt und damit gewisse Unwägbarkeiten in der Energieversorgung verbunden sind.
Im laufenden Jahr dürften die angekündigten OPEC-Kürzungen nur halbherzig umgesetzt werden. Außerhalb der OPEC wird die Ölförderung um schätzungsweise 1,2 mb/d zunehmen. Der Zuwachs kommt insbesondere aus dem Kaspischen Meer, Westafrika, den USA sowie von Biotreibstoffen. In unserem Basisszenario dürfte das Angebot ebenfalls bei rund 86 mb/d liegen. Die ausreichende Versorgung wäre also gewährleistet. Ferner wird die ausreichende Versorgungslage durch hohe industrielle Lagerbestände in den OECD-Ländern untermauert. In der OECD liegt die Lagerhaltung der Industrie deutlich über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
In diesem Marktumfeld dürfte der durchschnittliche Ölpreis im Jahr 2007 bei 55 USD pro Barrel liegen. Mittelfristig werden die großen Investitionsprojekte zu einem Ausbau der Förderkapazitäten führen. Ferner erhält die Suche nach alternativen Energiequellen neuen Schwung. Aber der Ölverbrauch wird ebenfalls wieder stärker zulegen. Die größten Nachfragezuwächse werden aus den Emerging Markets, insbesondere aus China, kommen. Doch die Angebotsausweitungen werden ausreichen, um die wachsende Nachfrage zu decken. Eine Ölpreiskrise ist daher nicht zu erwarten. Vielmehr wird es auch wieder Phasen geben, in denen der Ölpreis deutlich nachgeben kann.

Download

Download PDF (196 kb)
Seite weiterempfehlenSchrift vergrössernSchrift verkleinernSeite drucken
Kontakt
Michael Machauer
Dresdner Bank AG
+49.69.263.7079