Economic Research & Corporate Development
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Die mehrjährige Rohstoffhausse wurde im Sommer jäh unterbrochen. Zuvor hatten die Preise in immer kürzeren Abständen neue Rekorde erreicht und schienen die fundamentalen Faktoren am Ende zu ignorieren. Nun haben sich unsere Erwartungen bestätigt und Ernüchterung ist eingekehrt. Innerhalb kürzester Zeit korrigierten die Rohstoffpreise auf breiter Front nach unten. Ist der Spekulation der Wind aus den Segeln genommen? Was waren die Auslöser, wie weit kann die Korrektur noch gehen?

27.08.2008
Obwohl sich die schwächeren Wirtschaftsaussichten schon seit längerem abzeichneten, setzten die Investoren im Strudel der Finanzkrise auf knapper werdende Rohstoffe. Nun wurde der Rohstoffmarkt unseres Erachtens von der Realität eingeholt. In vie-len Segmenten hat außerdem das Angebot auf die gestiegenen Preise reagiert. Während die Rohstoffhausse von der Dollarschwäche profitierte, setzt nun im Gegenzug ein erstarkender Dollar die Preise unter Druck. Dabei gilt: so, wie die Spekulation an den Rekordpreisen beteiligt war, trägt eine spekulative Repositionierung von Hedge-Fonds bzw. abfließendes Finanzkapital bei Rohstofffonds im Gegenzug zur Abwärtsbewegung bei. Die Kombination dieser Faktoren spricht für weiter sinkende Rohstoffpreise. Der Boden ist noch nicht erreicht, auch wenn sich die Notierungen in den letzten Tagen etwas gefangen haben.
Der Rückschlag weist zwar bei den einzelnen Rohstoffen ein weitgehend ähnliches Muster auf, gleichwohl lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Segmente. Angefangen beim Ölmarkt führen die schwächere Konjunktur und hohe Spritpreise zu einem rückläufigen Ölverbrauch in den Industrieländern. Exemplarisch zeigt sich dies daran, dass die amerikanischen Autofahrer in der diesjährigen Urlaubssaison weniger Meilen fuhren als im Vorjahr; auch von den chronischen Raffinerieengpässen war nichts zu bemerken. Die Ölpreisentwicklung spielt wiederum in den Agrarmarkt hinein, da die Biotreibstoffnachfrage einen maßgeblichen Einfluss auf die Agrarpreise hat. Die Buntmetalle bekommen zu spüren, dass ihr größter Nachfrager China auf einen etwas moderateren Wachstumskurs einschwenkt. Außerdem haben zuletzt die Inflationserwartungen aufgrund sinkender Öl- und Agrarpreise nachgelassen, was die Goldnotierungen belastet.
Die sinkenden Rohstoffnotierungen tragen zur wirtschaftlichen Belebung bei. Die zugrunde liegenden strukturellen Trends im Rohstoffmarkt behalten jedoch ihre Gültigkeit und werden mittelfristig eine Erholung ermöglichen. Die meisten Rohstoffpreise werden dann ihren maßvolleren längerfristigen Aufwärtstrend wieder aufnehmen.
Das Working Paper „Korrektur an den Rohstoffmärkten – Ist die Luft raus?“ finden Sie unter http://group-economics.allianz.de (Publikationen/Working Papers)
Dr. Ingrid Angermann,
Tel.: 49 / 69 / 2 63 – 58 051

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