Privatsektor in Spanien: Konsolidierungsdruck nimmt zu
Spanien erlebte in den letzten Jahren einen maßgeblich kreditfinanzierten Aufschwung. Die spanische Wirtschaft ist damit anfälliger geworden für abrupte Veränderungen.
Die lebhaft wachsenden Kredite an private Haushalte dienten zum großen Teil dem Erwerb von Wohneigentum. Die steuerlich subventionierten Investitionen in selbstgenutzten Wohnraum sind seit einigen Jahren eine wichtige Triebfeder des Wirtschaftswachstums, und eine Abschwächung des Booms ist nicht erkennbar. 2003 lagen die Hauspreise um 17 % höher als im Vorjahr. Der Schuldenstand der privaten Haushalte hat - gemessen am BIP - inzwischen das EWU-Niveau überschritten. Auch bei den Kapitalgesellschaften (ohne Finanzsektor) ist eine Konsolidierung bisher ausgeblieben. Spanische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren nicht nur viel dynamischer investiert als ihre Nachbarn im Euro-Raum, sondern auch ihre Fremdmittel stärker ausgeweitet. Der Finanzierungssaldo lag zuletzt bei -4,8% des BIP. Der hohe Schuldenstand macht die Unternehmen in ihren Investitions- und Personalentscheidungen anfällig gegenüber Zinsschwankungen.
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In unserem wahrscheinlichsten Szenario - fortgesetzte Konjunkturerholung mit moderat anziehenden Geld- und Kapitalmarktzinsen - wird die Binnennachfrage in Spanien weiter zunehmen, aber mit gedrosseltem Tempo.
Ein Risikoszenario wäre das weltweite Aufflammen der Inflation ("global reflation") mit sprunghaft anziehenden Zinsen. Diese würden den Privatsektor in Spanien härter treffen als in den meisten anderen EWU-Mitgliedsländern, Konsum und Investitionen würden schwach. Fallende Immobilienpreise sowie Überkapazitäten im Bausektor würden die Aktivität auf Jahre belasten und der Aufholprozess Spaniens geriete ins Stocken.
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