Deutschland: Gesundheitsreform lässt Zahl der Krankenhäuser drastisch Schrumpfen
In Deutschland beanspruchen Krankenhäuser von den Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen den mit Abstand größten Anteil in Höhe von 35 %. Mit Blick auf die künftig noch zunehmende Kapitalintensität von Krankenhausleistungen ist es dringend geboten, für gesetzliche Rahmenbedingungen zu sorgen, die den Krankenhäusern Anreize für effizienteres Wirtschaften bieten.
Bereits in den vergangenen Jahren war unter dem Druck notwendiger Reformen ein Prozess der Konsolidierung im Krankenhaussektor zu beobachten. So verminderten sich im Zeitraum 1991 bis 2003 die Bettenkapazität um knapp ein Fünftel und die Zahl der Krankenhäuser um 9% – obwohl die Fallzahl um annäherungsweise ein Fünftel zugenommen hat. Die durchschnittliche Verweildauer verkürzte sich sogar von 14 Tagen auf knapp 9 Tage. Mit anderen Worten: Die Krankenhäuser versorgen mit immer weniger Betten immer mehr Patienten, die infolge verbesserter Behandlungsmöglichkeiten immer früher entlassen werden können. Trotz dieser beachtlichen Leistungssteigerung liegen in Deutschland die Patienten im Durchschnitt immer noch länger im Krankenhaus als in Ländern wie Österreich (8,1 Tage), den USA (6,6) und Dänemark (5,7), und zwar hauptsächlich deshalb, weil bisher die Vergütung der Krankenhäuser vorwiegend an der Liegezeit der Patienten ausgerichtet war.
Der durch das Fallpauschalensystem stärker in Gang kommende Leistungs- und Qualitätswettbewerb der Krankenhäuser wird deren Angebot und Organisation tiefgreifend verändern. Die eingeleiteten Änderungen stellen die bisherigen Maßnahmen zur Kostendämpfung weit in den Schatten und erfordern von Krankenhäusern eine grundlegende Neuausrichtung.
Allerdings werden die Probleme im Krankenhaussektor ohne umfangreiche Rationalisierungs- und Modernisierungsinvestitionen nicht zu lösen sein. Das für Krankenhäuser künftig verfügbare Investitionskapital wird infolgedessen zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. Da die Bundesländer den enormen Investitionsbedarf angesichts ihrer angespannten Haushaltslage immer weniger befriedigen können, wird sich die bereits seit Jahren anhaltende Privatisierung öffentlicher Krankenhäuser über kurz oder lang noch beschleunigen.
Diese Entwicklung ist vorgezeichnet, obwohl das Bundeskartellamt der Expansionsstrategie privater Klinikketten vor kurzem einen Dämpfer versetzt hat. Spätestens wenn die Umstellung auf Fallpauschalen bis Ende 2009 vollständig abgeschlossen ist, dürften die dann stärker zum Tragen kommenden marktwirtschaftlichen Anreize ebenso wie die höhere Markttransparenz dazu führen, dass auch ausländische Klinikbetreiber auf den deutschen Krankenhausmarkt drängen und damit der Privatisierung neuen Schwung verleihen.
Grundsätzlich wird der Krankenhaussektor auch in Zukunft durch Leistungssteigerung bei gleichzeitig sinkenden Kapazitäten geprägt sein. Wir halten bis zum Jahr 2020 eine weitere Verkürzung der durchschnittlichen Verweildauer in Kliniken um 20% auf rund sieben Tage für möglich. Damit könnte sich die Zahl der Krankenhausbetten und Krankenhäuser ebenfalls um jeweils rund ein Fünftel vermindern. Dieser Marktbereinigung werden in erster Linie öffentliche Krankenhäuser zum Opfer fallen, die im Vergleich zu privaten Häusern mit einer Reihe von Nachteilen zu kämpfen haben.
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