Und sie lohnt sich doch! Riestern ist auch und gerade für Geringverdiener wichtig
In jüngster Vergangenheit hat es eine breite Medienberichterstattung darüber gegeben, dass sich die Riester-Rente für Geringverdiener nicht lohne, weil die zu erwartenden Rentenansprüche dieser Personengruppe unterhalb des ohnehin staatlich garantierten Grundsicherungsniveaus lägen. Eine Studie von Allianz Dresdner Economic Research zeigt nun, dass sich die notwendige Anzahl der Beitragsjahre zur Erreichung einer Rente in Höhe des Grundsicherungsniveaus (Mindestbeitragszeit) signifikant reduzieren lässt, wenn zur gesetzlichen Rente noch zusätzlich eine Riester-Rente abgeschlossen wird. Dabei ist die Reduktion der Mindestbeitragszeit umso größer, je geringer das Einkommen ist. Die Riester-Rente lohnt sich also besonders für Geringverdiener. Die Studie untermauert auch das Argument, dass die staatliche Förderung die Riester-Rente zu einem äußerst attraktiven Altersvorsorgeprodukt insbesondere für Geringverdiener und Familien mit Kindern macht, indem erstmalig die durchschnittliche Rendite der Riester-Rente für Personen verschiedener Geburtsjahrgänge in Abhängigkeit vom Einkommen und Familienstatus berechnet wird.
Ob sich die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) oder zur Riester-Rente auch für Geringverdiener lohnen, hängt davon ab, ob die gesamten Rentenansprüche das ohnehin garantierte Grundsicherungsniveau übersteigen. Deshalb ist die Beitragszeit, die für Bezieher eines bestimmten Einkommens notwendig ist, um eine Rente auf dem Grundsicherungsniveau zu haben (Mindestbeitragszeit), ein geeignetes Beurteilungskriterium. Betrachtet man nur die gesetzliche Rentenversicherung, dann beträgt diese Mindestbeitragszeit für einen Bezieher des Durchschnittseinkommens von derzeit 30.000 EUR rund 27 Jahre, d.h., er muss 27 Jahre Beiträge zahlen, um später eine gesetzliche Rente in Höhe der Grundsicherung im Alter von derzeit rund 630 Euro zu erhalten. Verdient jemand durchgehend nur das halbe Durchschnittseinkommen, also derzeit 15.000 EUR brutto jährlich, beläuft sich die Mindestbeitragszeit schon auf 54 Jahre. Es ist also absehbar, dass diese Person auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein wird, weil die gesetzliche Rente nicht ausreicht. Generell gilt: Je geringer das Einkommen ist, desto höher ist die Mindestbeitragszeit, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eine gesetzliche Rente über dem Grundsicherungsniveau zu erzielen. Entsprechend wahrscheinlicher ist es, dass sich die Beiträge zur Rentenversicherung für den Einzelnen nicht „lohnen“, weil er das gleiche Einkommen auch ohne Beiträge bekommen hätte.
Wie ändert sich die Mindestbeitragszeit, wenn zusätzlich zur gesetzlichen Rente noch eine Riester-Rente abgeschlossen wird? Da sich durch eine zusätzliche Riester-Rente das Alterseinkommen je nach Beitragszeit signifikant erhöhen kann, reduziert sich mit einer zusätzlichen Riester-Rente die Mindestbeitragszeit beträchtlich. Für einen Durchschnittsverdiener (derzeit 30.000 EUR Jahreseinkommen) verkürzt sich z.B. die Mindestbeitragszeit von 27 auf 20 Jahre, für einen Single mit einem Jahreseinkommen von 15.000 EUR von 54 auf 36 Beitragsjahre. Die Mindestbeitragszeit reduziert sich durch die Riester-Rente damit umso stärker, je geringer das Einkommen ist. Geringverdiener profitieren also überproportional von der Riester-Rente. Damit wird die Bedeutung der Riester-Rente insbesondere für Geringverdiener deutlich. Bei einem Einkommen von 20.000 EUR und 30 Beitragsjahren erhöht sich beispielsweise durch eine zusätzliche Riester-Rente das Gesamtrenteneinkommen (GKV+Riester) von 472 EUR über das Grundsicherungsniveau hinaus auf 692 Euro. Das sind Monat für Monat 47 % mehr Einkommen durch die Riester-Rente.
Ein Gesamtalterseinkommen über dem Grundsicherungsniveau wird umso eher erreicht, je höher die Rendite der Altersvorsorgeprodukte ist, also diejenige Verzinsung, die sich ergibt, wenn man die Einzahlungen (Sparleistung) in Beziehung zu den erwarteten Rentenzahlungen setzt. Da die Riester-Rente dadurch charakterisiert ist, dass der Sparer nicht die gesamte Sparleistung selbst tragen muss, sondern der Staat in Form von Zulagen oder Steuerersparnissen faktisch einen Teil der Sparsumme übernimmt, hängt die Höhe der Rendite nicht nur vom Kapitalmarktzins, sondern auch von der Höhe der Förderung ab. Die Förderung wiederum variiert nach Einkommen, Familienstand und Anzahl der Kinder, so dass die Rendite der Riester-Rente (selbst beim gleichen Produkt) je nach individuellen Verhältnissen höchst unterschiedlich ausfallen kann.
Die von Allianz Dresdner Economic Research vorgenommen Renditeberechnungen für einen repräsentativen Riester-Sparer eines Geburtsjahrgangs zeigen – wie erwartet – umso höhere Renditen, je höher die Förderung ist. Für den alleinstehenden Durchschnittsverdiener beträgt sie je nach Geburtsjahrgang zwischen 6 % und knapp 11 %. Sie liegt damit erheblich über der nominalen impliziten Rendite der GRV, die je nach Geburtsjahrgang zwischen 2,4 % und 2,8 % ausmacht. Damit ist klar, dass ein zusätzlicher Beitragseuro rentabler im kapitalgedeckten System angelegt ist als im Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung. Auch für die Bezieher sehr geringer Einkommen ist die Rendite besonders lukrativ. Bei einem Jahreseinkommen von z.B. 10.000 EUR beträgt sie für einen Alleinstehenden ohne Kind mit einer Fördequote von 39 % – je nach Geburtsjahrgang – zwischen 6 % und 13 %. Alleinstehende mit einem Kind und 10.000 EUR Jahreseinkommen können aufgrund der Förderquote von 85 % stets zweistellige Renditen erzielen.
Fazit: Der bisher in den Medien verbreiteten Aussage, eine Riester-Rente lohne sich für Geringverdiener nicht, weil die Gefahr bestehe, dass auch mit einer Riester-Rente das sowieso garantierte Grundsicherungsniveau nicht überschritten wird, ist zu widersprechen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Gerade weil für Geringverdiener die Gefahr besteht, eine niedrige Rente zu haben, die unterhalb des Grundsicherungsniveaus liegt, ist die zusätzliche Altersvorsorge wichtig. Denn die zusätzliche kapitalgedeckte Altersvorsorge in Form von Betriebsrenten, Riester-Renten oder anderen Altersvorsorgeprodukten ist die einzige Chance für Geringverdiener, ein Alterseinkommen über dem Grundsicherungsniveau zu erhalten und nicht auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Die Wahrscheinlichkeit ein Alterseinkommen über dem Grundsicherungsniveau zu bekommen, ist dabei umso größer, je früher mit der zusätzlichen Altersvorsorge begonnen wird. Für Geringverdiener bietet sich als zusätzliche Altersvorsorge insbesondere die Riester-Rente an, da wegen der staatlichen Förderung schon mit geringen Beiträgen das Alterseinkommen signifikant erhöht werden kann, sie also eine hohe Rendite aufweist. Es ist deshalb nicht sinnvoll, Geringverdienern von der Riester-Rente abzuraten. Im Gegenteil: sie sollten dazu ermutigt werden, möglichst früh mit dem Riester-Sparen zu beginnen, denn umso mehr und umso eher wird sich die Riester-Rente später lohnen.
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