USA: Die Fed im Übergang von Alan Greenspan zu Ben S. Bernanke
Alan Greenspan beendet Ende Januar nach 18 Jahren die zweitlängste Amtszeit eines Fed-Chairmans. Es war gleichzeitig eine von vielen Krisen geprägte ausgesprochen ereignisreiche Epoche. Die unter Greenspan entwickelte Fed-Strategie, wie wir sie heute kennen, kann als Dreiklang aus Transparenz, konjunkturpolitischem Aktivismus und Gradualismus bei der Festsetzung der Leitzinsen beschrieben werden. Die fundamentalen Probleme der US-Wirtschaft, die zur Rezession 2001 geführt hatten, sind dadurch jedoch nicht gelöst worden. Sie bestehen weiter, der Zahltag wurde nur hinausgeschoben.
Die Amtszeit Greenspans beinhaltete etwa den Börsencrash 1987, die Tequila-Krise 1994/95, die Asienkrise 1997/98 und das Platzen der New-Economy-Blase in den Jahren 2000 und 2001. Der Umgang Greenspans mit diesen Krisen dürfte vermutlich weit stärker in der öffentlichen Wahrnehmung als prägendes Element seiner Ära als Notenbankchef in Erinnerung bleiben als der unter ihm vollzogene Weg zu mehr Transparenz bei geldpolitischen Entscheidungen. Das aktive Krisenmanagement ist wohl der kontroverseste Teil des Erbes der Greenspan-Ära. Der Fed unter Greenspan wird häufig nachgesagt, dass sie asymmetrisch auf Entwicklungen an den Finanzmärkten reagiere: sie dämpfe nicht den starken Auftrieb bei Vermögenspreisen und sehe ihre Aufgabe auch nicht in der Verhinderung von Blasen, sondern eher darin, die Folgen eines Platzens der Blase durch eine rasche geldpolitische Lockerung zu mildern.
Kritiker der US-Notenbankpolitik werfen ihr vor, durch ein solches Vorgehen die Finanzmärkte zum Eingehen übergroßer Risiken zu verleiten und charakterisieren die Politik als „Greenspan Put“ (Miller/Weller/Zhang 2002) oder „serial bubble blower“ (Economist 2003). Die Fed verweist dagegen zumeist auf das Problem wie schwierig es sei, außergewöhnliche Entwicklungen an den Finanzmärkten überhaupt adäquat identifizieren zu können (Greenspan 2002). Sollte – und dafür gibt es eine Reihe von Anzeichen – die expansive Politik der Fed in den Jahren 2002 und 2003 zu einer weiteren Blase, diesmal am Immobilienmarkt, geführt haben so wird sein Nachfolger mit genau diesem Problem konfrontiert werden.
Ben Bernanke könnte ein schwereres Erbe übernehmen, als es die ausgesprochen guten Wachstumsdaten der vergangenen Jahre glauben lassen.
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