Konjunkturwirkungen der US Immobilienkrise und der Turbulenzen an den Finanzmärkten
Die durch die US-Immobilienkrise ausgelösten derzeitigen Finanzmarktturbulenzen dürften alles in allem zwar nicht völlig spurlos an der europäischen Konjunktur vorübergehen, die Wirkungen beschränken sich aber weitgehend auf die Länder, deren Konjunktur- und Verschuldungslage am meisten der der USA ähnelt. Dies sind Spanien und mit Abstrichen Großbritannien. Für das Wirtschaftswachstum 2008 im Euro-Raum erwarten wir nun 2,1 % (bisher 2,2 %). Die Konjunkturprognose 2008 für Deutschland behalten wir unverändert bei (+ 2,5 %).
Die wirtschaftlichen Perspektiven der USA beurteilen wir alles in allem noch etwas zurückhaltender als bisher. Im Jahresdurchschnitt 2008 dürfte die US-Wirtschaft mit 2,2% um rund ½ Prozentpunkt schwächer expandieren als bisher erwartet. In den Vereinigten Staaten ist bei einem weiteren Zinsanstieg bei Hypothekendarlehen – der bezüglich der Risikoprämien zunehmend wahrscheinlich erscheint – ein weiterer Rückgang der Wohnungsbaunachfrage unvermeidlich. Dies dürfte auch zu einer Verminderung der Hauspreise führen; wir gehen von einem Minus um fast 5 % im kommenden Jahr aus. Über den Vermögenseffekt wird dies voraussichtlich auch dämpfende Wirkungen auf den Konsum haben.
Für die Weltwirtschaft bedeutet die weitere Konjunkturabschwächung in den USA ein Minus von ¼ Prozentpunkt, für den Welthandel ein Rückgang um etwa ½ Prozentpunkt. Der Export Deutschlands und anderer europäischer Länder dürfte dadurch jedoch nur leicht beeinträchtigt werden. Die Auswirkungen auf das europäische BIP-Wachstum belaufen sich für sich genommen hieraus auf allenfalls 0,1 Prozentpunkte.
Gravierender könnten die europäischen Immobilienmärkte betroffen sein. Insbesondere in Spanien ist der Immobilienpreisanstieg in diesem Jahr ohnehin schon zum Erliegen gekommen. Infolgedessen ist dort, aber auch in einigen anderen europäischen Ländern mit einer stärker erwarteten Abschwächung der Konsum- und Wohnungsbaukonjunktur zu rechnen. Für Spanien rechnen wir 2008 nun nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 2 ½ % - 0,5 Prozentpunkte weniger als zuvor.
Die Kursrückgänge an den europäischen Aktienmärkten dürften die Haushalte kaum als eine verschlechterte Vermögenslage empfinden und ihre Konsumnachfrage deshalb auch nicht einschränken. Die Aktienmärkte in Europa haben bisher lediglich um rund 10 % gegenüber den Höchstständen korrigiert und liegen zumeist noch auf einem Niveau, das höher ist als zu Jahresbeginn.
Auch die Konjunkturwirkungen der voraussichtlich nur leichten Kreditverteuerung dürften alles in allem gering sein – zumal die Finanzlage vieler Unternehmen ohnehin derzeit weitaus besser ist als vor einigen Jahren. Die Gefahr, dass aus der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten eine generelle Kreditklemme für Unternehmen in Europa erwächst, ist nach unserer Einschätzung zumindest aus heutiger Sicht recht gering.
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