Globale Liquiditätsschwemme: Problem oder Wachstumsmotor?
Im Zuge der stark expansiven Ausrichtung der Geldpolitik in den letzten Jahren ist die Geldschöpfung der wirtschaftlichen Aktivität stark vorausgelaufen, so dass derzeit eine deutliche Überversorgung besteht. Solange externe Faktoren wie die Globalisierung den Anstieg der Lohnstückkosten begrenzen, besteht freilich berechtigte Hoffnung, dass es nicht zu inflationären Tendenzen kommt. Selbst bei etwas schwächerer Konjunktur sehen wir im Euro-Raum keinen weiteren Raum für eine Zinssenkung.
Nach dem Platzen der Aktienmarktblase haben die Notenbanken der großen Industrienationen ihre Geldpolitik massiv gelockert und die Leitzinsen teilweise auf den niedrigsten Stand der letzten 40 Jahre geschleust. Entsprechend war in der Folgezeit ein deutliches Anziehen der globalen Liquiditätsversorgung zu beobachten. Dieses ist der nominalen Wirtschaftsleistung deutlich vorausgelaufen, so dass sich ein Liquiditätsüberhang gebildet hat, der sich möglicherweise inflationär entladen oder zu weiteren Blasen auf den Vermögensmärkten (Renten und/oder Immobilienmärkte) führen könnte. Zum Liquiditätsüberhang hat auch beigetragen, dass neben dem traditionellen Kreditkanal etwa die asiatischen Währungsbehörden über ihre Devisenmarktinterventionen zusätzlich Liquidität in Umlauf gebracht haben.
Die weltweite Liquiditätsentwicklung hat zu einer Reihe von ungewöhnlichen Konstella-tionen auf Finanzmärkten und in der monetären Ökonomie beigetragen. Dazu zählt etwa, dass auf US-Seite die Langfristzinsen fast gar nicht auf den einsetzenden Straffungskurs der Fed reagiert haben oder im Euro-Raum eine sehr starke Abnahme der Geldumlaufgeschwindigkeit in Kombination mit ungewöhnlich niedrigen Langfristzinsen zu verzeichnen war. Zumindest in Teilen dürfte die Geldpolitik der letzten Jahre für diese ungewöhnlichen Konstellationen mit verantwortlich sein, zumal die niedrigen Leitzinsen die Möglichkeit zu umfangreichen Carry trades eröffnet haben.
Inwieweit der derzeit bestehende Liquiditätsüberhang ein Inflationsrisiko darstellt, wird maßgeblich davon abhängen, ob sich selbst verstärkende Lohn Preisspiralen in Gang kommen können. Aufgrund des Fortdauerns von Globalisierungseffekten, die insbeson-dere die Lohnsetzungsspielräume der Arbeitsanbieter aber auch der im globalen Wettbewerb stehenden Unternehmen stark beschränken, ist dieses Risiko im Vergleich zu den siebziger Jahren jedoch nicht ausgeprägt. Selbst ein starker Rohstoffpreisanstieg dürfte kaum ausreichen, ein solches Ergebnis auszulösen.
Inwieweit der derzeit bestehende Liquiditätsüberhang ein Inflationsrisiko darstellt, wird maßgeblich davon abhängen, ob sich selbst verstärkende Lohn Preisspiralen in Gang kommen können. Aufgrund des Fortdauerns von Globalisierungseffekten, die insbeson-dere die Lohnsetzungsspielräume der Arbeitsanbieter aber auch der im globalen Wettbewerb stehenden Unternehmen stark beschränken, ist dieses Risiko im Vergleich zu den siebziger Jahren jedoch nicht ausgeprägt. Selbst ein starker Rohstoffpreisanstieg dürfte kaum ausreichen, ein solches Ergebnis auszulösen.
Bei der Frage, welche Schlussfolgerungen die Geldpolitik aus der Liquiditätsentwicklung ziehen sollte, ist man letztlich auf theoretische Überlegungen zur Wirkungsweise der Geldpolitik angewiesen. Viel spricht dafür, dass sich die monetären Impulse der letzten Jahre, so wie es in den USA bereits geschehen ist, auch in anderen Ländern auf die Realwirtschaft auswirken werden. Der Straffungskurs der amerikanischen Geldpolitik ist daher nachvollziehbar und eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank un-wahrscheinlich. Aus konzeptionellem Blickwinkel sprechen die starken, auch zins- und liquiditätsbedingten Preisänderungen an den Vermögensmärkten für eine längerfristige Orientierung der Geldpolitik. „Asset Price“ Bewegungen können mit kurzfristigen expliziten Inflationszielen eben nicht erfasst werden. Zudem haben die letzten Jahre die Bedeutung der Kreditentwicklung für die Geldpolitik hervorgehoben.
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